Der Besucher – Eine Short Story von Stefan Gross

Der Besucher – Eine Short Story von Stefan Gross

Stefan Gross ist Architekt und wohnt in München
Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden

Ihr Nachtgeruch hing noch im Zimmer

Ihr Nachtgeruch hing noch im Zimmer, in der Kammer sollte ich besser sagen, denn es war ein sehr altes Haus. Sie war vor wenigen Minuten abgerauscht mit ihrem C3, metallic blau. Termin in Berlin, ich hab‘ vergessen was es genau war. Kommunikationstrainerin… wohl ein Seminar. Ich öffnete das Fenster, ein vorbildlicher Septembertag strömte herein, die Sonne ging im Osten auf, über dem Bruch lag Frühnebel. Die Verheißung der heilen Welt da draußen behütete mich wenigstens heute davor, in ihr unverschämt ungemachtes Bett zurück zu kehren und darüber zu grübeln, wie lange meine Beziehung zu dieser viel zu jungen Frau noch dauern könnte, bevor wir uns ernsthaft beschädigen würden. Weiterlesen

Galizien – Ein Reisebericht von Brigitte M.

Galizien – Ein Reisebericht von Brigitte M.

Der Text ist im Sommer 2017 im Kurs Schreib&Reise entstanden

Galizien – Eine fiktionalisierte Reise

Ich hatte Sehnsucht nach dem Meer, dem wilden Meer. Der Atlantik an Spaniens Westküste machte mich neugierig. Ursprüngliche Natur, saubere Gewässer und guten Fisch – das waren Gründe genug, meinen Urlaub dort zu verbringen. Viele Alleinreisen gewöhnt, wollte ich dieses Mal in Gesellschaft reisen.
Ich rief meinen alten Klassenkameraden Egbert an, geschieden und alleinlebend wie ich. „Hallo Eggi, kommst du mit mir eine Woche nach Galizien? Wandern, Lesen, gut Fisch essen und die wilde Todesküste erkunden?“ Egbert sagte ja.  Ich buchte eine Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern für uns und die Flüge. Am 30. Juni um halb zwölf Uhr trafen wir am Flughafen zusammen, um für unseren Flug einzuchecken.

Weiterlesen

Eine Reise in die Arktis – von Helga Knocke

Dieser Bericht ist in dem Kurs „Schreib&Reise“ im Sommer 2017 entstanden und führt uns in kältere Regionen.
Helga Knocke, ehemalige Lehrerin, lebt in Berlin

 

Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt  machen

Freitag, 13. Juli 2012

Liebe Vera,

sicher erinnerst du dich noch an meinen sechzigsten Geburtstag, den ich – ich war gerade mal vier Jahre in Berlin – im großen Freundeskreis gefeiert habe. Damals war es mir ein Bedürfnis, mein altes und mein neues Leben zusammenzuführen, mit Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, ein großes Fest zu feiern. Als mein fünfundsechzigster anstand, war mir nach etwas ganz Anderem, ich wollte mir selbst einen Wunsch erfüllen, den ich schon eine Weile mit mir herumtrug. Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt machen, weit in den Norden, so weit, wie man mit einem Schiff kommen kann, bis an die Packeisgrenze, ins Reich der Eisbären und Polarfüchse. Weiterlesen

Schreibimpulse – ein Weg zur Inspiration

Schreibimpulse – ein Weg zur Inspiration

Hilfe für die Inspiration

Manchmal braucht die Inspiration Hilfe, um auf die Sprünge zu kommen. Ideen scheinen oft aus dem heiteren Himmel zu kommen, aber das Gehirn braucht dafür Anregungen, und – sollte der Himmel sich weigern, von alleine welche zu schicken, suchen wir sie eben. Auf der Straße, im Café – oder eben durch Schreibimpulse.

Writing prompts sind Impulse, die Ihnen dabei helfen, in das Schreiben zu gelangen. Das englische Wort ist deshalb so schön, weil es „prompt“ enthält: und so soll es auch sein. Setzen Sie sich hin, ziehen Sie sich die Anregung rein und schreiben Sie los. Verkürzen Sie die Bedenkzeit. Nur wenn Sie nicht lange darüber nachdenken, werden Sie Ideen entwickeln, Themen und Protagonisten finden. Und nicht zuletzt ganze Szenen und Geschichten zu schreiben.

Unsere Fantasie braucht Anregung, um auf Touren zu kommen. Im Alltag sind wir eingespannt in oft dieselben Abläufe, Routinen und Denkmuster. Schreibimpulse können dabei helfen, um auf andere Gedanken zu kommen und auf neue Ideen.

Wir haben ein Paket mit zehn Impulsen zusammen gestellt. Die Pdf-Datei enthält zusätzlich ein paar Tipps, wie Sie Ihre Ideen bündeln und Ihr Material organisieren.
Wenn Ihre Buchung und Bezahlung (entweder per Paypal oder Überweisung) eingegangen sind, erhalten Sie umgehend den Reader per E-Mail.

 

 

Der Charme des weißen Hauses – von Claudia Siemon

Der Charme des weißen Hauses – von Claudia Siemon

Der Charme des weißen Hauses von Claudia Siemon

Der Text entstand im Speed-Writing als Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie?“
Claudia Siemon, geb. 1954, Studium Englisch und Russisch in Göttingen und Innsbruck. Lebt in Tirol. Veröffentlichte Fantasy und andere Kurzgeschichten und arbeitet als Sekretärin in Innsbruck.

Robert Brenning schaute auf den Abzug des alten Stadtfotos und verglich es mit der Szenerie um sich her. Es könnte stimmen, dachte er. Die alten Häuser rundum – nun gut, sie waren Neubauten gewichen, möglicherweise auch im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, das Bild war uralt, um 1900 herum entstanden, vielleicht noch früher; mit Mode kannte er sich nicht aus, schon gar nicht mit so altmodischer. Er musste über sein eigenes Wortspiel lachen und sah noch einmal genau hin. Doch, das Haus, das auf dem Foto eine weiße Fassade aufwies, mit dem Erker oder Balkon über der Tür, das hätte sich durchaus in dieses Haus hier ver­wandeln können; ohne Balkon zwar jetzt, aber der Erker war noch da. Und die Kirche? An Sakralbauten wird nur wenig verändert; eher detailgetreu restauriert. Er bog um die Ecke und stand vor der Seitentür der Kirche. „Ora pro nobis“, stand in großen schwarzen Lettern darüber. Er trat einen Schritt zurück. Ja, das war die Kirche, unbedingt! Die Tür, die Inschrift. Er war am Ziel. Er würde … Weiterlesen

Kein Housekeeping – von Andrea Gärtner

Kein Housekeeping – von Andrea Gärtner

„Kein Housekeeping“ – von Andrea Gärtner

Diese Short Story entstand im Speed-Writing-Kurs als Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie?“

„Housekeeping!“ Mathilda klopfte dreimal zügig an die Tür mit der Nummer 326. Gerade als sie in ihrer Schürze nach der Keycard fingerte, öffnete sich die Kabinentür einen Spaltbreit. Eine dicke Nase kam zum Vorschein, rot geädert und feucht glänzend. Mathilda zwang sich den Blick davon abzuwenden und mit dem Gast wie vorgeschrieben höflich lächelnd Blickkontakt aufzunehmen. Das Lächeln gefror ihr auf der Stelle. Piotr Wolkow – so hieß der Mann laut ihrer Liste – starrte sie aus unterlaufenen Augen grimmig an. Die Bartstoppeln der letzten Tage zierten seinen teigigen Teint, ein Schweißfilm bedeckte seine Haut.

„Brauche nicht Housekeeping“, sagte er in gebrochenem Deutsch und entblößte dabei schiefe gelbe Zähne. Der faulige Mundgeruch, der mit den Worten bei Mathilda ankam, verursachte ihr Übelkeit. Sie straffte die Schultern. „Herr Wolkow, Ihre Kabine wurde meinen Aufzeichnungen zufolge seit vier Tagen nicht gereinigt.“ Weiterlesen

Augenblick – Eine Short Story von Andrea Gärtner

Augenblick – Eine Short Story von Andrea Gärtner

 Augenblick – Eine Short Story von Andrea Gärtner

Diese Short Story entstand im Speed-Writing, dem Gewinner-Kurs des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie“

Milla saß am Fenster und starrte hinaus. Das muntere Treiben ihres Lieblingscafés hatte sie ausgeblendet. Sie hielt ihren Latte zwischen den eisigen Fingern und dachte angestrengt nach. Wie hatte es nur soweit kommen können? Sie hatte sich immer für eine emanzipierte Frau gehalten, die ihr Leben klar vor sich gesehen hatte. Mit dem Volontariat im Museum war sie ihrem Traumberuf der Kuratorin wieder ein Stück nähergekommen. Und die Beziehung zu Till hatte sich anfangs auch genauso gestaltet, wie sie sich das gewünscht hatte. Anfangs. Sie trank einen Schluck Kaffee und stellte das Glas ab. Als ihr Ellenbogen die Tischkante berührte, zuckte sie schmerzhaft zusammen. Weiterlesen

Ein merkwürdiger Tag – von Diana Ohmann

Ein merkwürdiger Tag – von Diana Ohmann

Ein merkwürdiger Tag – von Diana Ohmann

Diese Short Story entstand im Speed-Writing – der Gewinn des Wettbewerbs „warum schreiben Sie?“

iAm sah sich um. Das konnte einfach nicht möglich sein. Absolut unmöglich. Er kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder, in der Hoffnung; alles würde sich nur als böser Traum entpuppen. Von dem braunen Sumpfmann, mit dem er sich die karge Schlafzelle in der Karawanserei geteilt hatte, war nur noch eine zerknüllte Decke zu sehen. Immerhin eine Decke! Denn iAms eigene Habseligkeiten hatten sich buchstäblich in Luft aufgelöst, seine Umhängetasche, seine Schuhe, sein Umhang, Proviant – alles war verschwunden. Man hatte es scheinbar sogar geschafft, ihn während der Nacht von seinem Schlafteppich zu rollen und ihm diesen unter seinem Hintern weg zu entwenden. Weiterlesen