Warum ich schreibe – Text Nr. 3 zum Wettbewerb

Warum sie schreiben will?

von Diana Ohmann

Ich liebe Bücher und lese leidenschaftlich gerne und viel, da liegt selber schreiben irgendwann nahe. Für den Job muss ich häufig trockene Fachtexte verfassen, deshalb habe ich privat Lust, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Warum sie schreiben will? Wer will das eigentlich wissen? Und was für eine absolut beknackte Frage, vor allem an sie selbst. Aber wenn diese blödsinnige Frage schon gestellt wird, dann vielleicht wenigstens an uns, hmm? Wir kennen uns nämlich mit Schriftstellern aus, mit richtigen Schriftstellern, ganz im Gegensatz zu ihr.

Einzelne Seiten hatten sich schon längst gelöst

Jetzt will die Dame also selbst schreiben, sagt sie. Wir, wir sind ihr nicht mehr gut genug, der Dame. Dabei hat sie uns früher so geliebt. Schon als kleines Kind hat sie versucht zu lesen, weil ihr Vater nicht genug Deutsch konnte und die Mutter ihr zu langsam vorgelesen hat. Nicht schnell genug konnte es ihr gehen, bis sie uns alleine konsumieren konnte. Immer wieder. Unser Einband wurde fleckig und locker, und einzelne Seiten hatten sich schon längst gelöst. Damals, als wir noch ihre besten Freunde waren, wurden diese Seiten liebevoll wieder eingeklebt. Und beschriftet wurden wir. Hier, könnt Ihr das sehen? Da steht es mit krakeliger Erstklässlerschrift: mein Lieblingsbuch. Ganz vorne drin. Aber jetzt?

Was bildet sie sich eigentlich ein? Wir sind nicht unterhaltsam genug? Klar! Sie kann das besser. Die Leser werden sich schenkelklopfend auf die Erde werfen. Hahaha. Ganz bestimmt!

Frau mit Buch

Zu wenig Leidenschaft? Als würden wir nicht die Blicke sehen, die sie unseren Seiten zuwirft. Vor allem ganz bestimmten Seiten…

Es fehlt an Gefühl? Auch das halten wir für ein Gerücht. Hier, hier guckt doch, wo die Seiten ein bisschen feucht gewellt sind. Glaubt ihr, das kommt vom Regen? Wahrscheinlich glaubt ihr auch an den Weihnachtsmann.

Mist, so was müsste mir mal einfallen

Nicht spannend genug? Ach ja? Das wüssten wir aber! Wenn man uns die ganze Nacht nicht aus der Hand legen kann, obwohl man am nächsten Morgen einen wichtigen Termin hat, dann liegt das sicher daran, dass wir so langweilig sind. Natürlich! Dann könnte sie sich auch ihr Gemurmel beim Lesen sparen: Mist, so was müsste mir mal einfallen! Was für eine super Idee. Und? Ist es ihr eingefallen? Da haben wir doch schon das Problem.

Warum also? Warum will sie jetzt ihre ach so kostbare Zeit mit Schreiben verbringen? Weil sie es kann, glaubt sie. Vielleicht kann man mit einigen Anläufen auch einen mittelgroßen Stein verschlucken. Aber tut man es deshalb unbedingt?

Weil es Spaß macht, sich gute Geschichten auszudenken und genauso viel Spaß, wenn andere diese Geschichten lesen und mögen? Und nach mehr fragen? Als wüssten wir das nicht selbst am besten.

Wir sind eifersüchtig, sagt ihr? Das ist doch jetzt wirklich totaler Unsinn. Eifersüchtig auf ihre Zeit? Nur weil ein paar von uns ungelesen herumliegen? Naja gut, es sind vielleicht mehr als ein paar. Aber eifersüchtig? Pah! Andere Mütter haben auch nette Leser! Bloß wenn sie glaubt, dass ihre selbstverfassten Werke irgendwann neben uns im Regal stehen dürfen, hat sie sich böse getäuscht.

 

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