Schreiben in Zeiten der Digitalisierung 2

Schreiben in Zeiten der Digitalisierung 2

Schreiben in Zeiten der Digitalisierung 2

Wie die Sternschnuppe so schnell

Wir erzählen – und lesen– Geschichten kaum mehr ohne Bilder. Die Literaturliteratur scheint ein aussterbendes Genre zu sein. Zumindest gibt es immer weniger LeserInnen (dafür aber immer mehr AutorInnen). Modernes Storytelling, also Geschichten-Erzählen, kommt mit Bildern, kurzen Absätzen und Zwischenüberschriften daher. Wir sind es inzwischen gewohnt, über den Bildschirm zu scrollen, um eine Information zu vertiefen – oder um zum nächsten Artikel zu wechseln. Wie uns die TV-Werbung mit den schnellen Schnitten in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts beigebracht hat, denken und sehen, vielleicht auch „erkennen“ wir unglaublich viel schneller als in den Jahrhunderten und Jahrtausenden zuvor, wo ein Gedanke bei seiner Entstehung beobachtet werden durfte. Jetzt beobachten wir den Gedanken allenfalls bei seinem Erlöschen. Wie die Sternschnuppe so schnell.

Was aber bedeutet das für das Schreiben?

Was aber bedeutet diese veränderte Lese- und Sehgewohnheit für das Schreiben? Und vor allem: für die Literatur? Hier kann ich natürlich nur mal ganz schnell und wie nebenbei in diese Fragen einsteigen, denn sie zu durchdringen, das wäre zu viel verlangt. Für uns heutige Schnelle, Gedankenhopper, Aufgebrachte, Gedankenwischer, Imagophile … . Schließlich muss man gleich auch noch ganz andere Dinge denken, sagen, schreiben … wie die Sternschnuppe so schnell.
Die Literatur versucht manchmal, die Gedanken zurück zu erobern, indem sie rückwärts und gegenläufig erzählt, so Franziska Hauser in „Die Gewitterschwimmerin„, so Maja Lunde in „Die Geschichte der Bienen“ oder auch, indem sie häppchenweise und sehr schnell erzählt wie Virginie Despentes in „Vernon Subutex„. Oder ganz gegenläufig dazu extrem langsam, in Wiederholungsschleifen, dabei aber auch achronologisch wie Karl Ove Knausgård in seinem siebenbändigen Werk ohne den deutschen Titel „Min Kamp„.

Geschichtenerzähler

Es gibt heutzutage unglaublich viele Geschichtenerzähler. Jede/r kann in seinem Blog oder auf facebook, bei Instagram oder auf seiner Homepage seine eigene Geschichte, die von Anderen, die von (nie) erlebten Reisen, Abenteuern … erzählen. Das ist erst einmal eine ungeheure Möglichkeit und extrem demokratisch. Und extrem multimedial. Denn diese Storys werden nicht mehr nur mit Worten erzählt, sondern mit Bildern, Fotos, Filmen, Audio. Links führen weiter zu den Themen, die die Leser dort vertiefen können; Links führen weiter zu anderen Ereignissen, von denen wir noch nie gehört haben …

Hypertext

Wir haben es mit einer Text-Bild-Oberfläche zu tun, unter der sich ganz viele andere Texte und Bilder, Geschichten, Abenteuer, Ereignisse oder auch nur Banalitäten verstecken. Man nennt das Hypertext. Das Besondere daran ist: Jeder „User“ strickt sich seinen eigenen „Text“. Und der ist wie in der Textur eines Teppichs entweder lose zusammen gesetzt, dicht, oder löcherig, manchmal fällt vielleicht ein User durch die Maschen, weil sie zu grob gestrickt sind. Jedoch: Das System unserer Erzählungen, unserer Narrative, ist nicht mehr ein hierarchisches, in dem die Herrschatfsinstanzen über das Publizieren bestimmen, sondern individuell. Wer weiß, vielleicht steckt hinter dieser Lockerung der Erzählsysteme, die die Weltsichten bestimmten, auch die Angst vor den Anderen.

Eine ungeheuer produktive Zeit

Wir sollten, wenn wir heutzutage Storytelling betreiben, auch die neuen Formen mit bedenken. Versuchen, die Bilder mit den Worten, diese mit den Filmschnipseln zu verknüpfen, die in unglaublicher Zahl produziert werden. Eigentlich ist es ja eine ungeheuer produktive Zeit, die wir gerade erleben: Jede/r kann seine eigenen Geschichten nicht nur multimedial erzählen, sondern sie auch publizieren. Ob man dabei wahrgenommen wird, stellt dann wohl die eigentliche Kunst dar. Vor allem geht es darum, die Medienmaschinen soweit bedienen zu können, dass man als Geschichtenerzähler aus seiner eigenen 200köpfigen fb-, Instagram-, twitter- oder youtube-Blase herausfindet. Wenn man also über das Erzählen und Zeigen hinaus über eine Eigenschaft verfügt, die wahrscheinlich nur die digital natives selbstverständlich anwenden: Zeigen, Aufbauschen, Trommelschlagen. User finden, die teilen, kommentieren, die einen Betrieb veranstalten um die eigene Person herum bzw. um das, was diese Person publiziert hat. Das ist wiederum eine andere Geschichte.

Storytelling

Weil dem so ist, versucht auch schreibwerk berlin, die modernen Erzählformen in seinen Kursen zu bedienen. In unserem Kurs Storytelling für das Marketing können Sie Geschichten mit Bildern UND mit Ihrem Angebot verknüpfen. Darüber hinaus gibt es dort auch Informationen zu den Regeln des Erzählens auf den unterschiedlichen social media-Plattformen. Und in unserem brandneuen Kurs Bloggen: Erzählen im Internet geht es um die Bedingungen des kontinuierlichen Erzählens im Web.

Landbeck