Die Heldenreise

Die Heldenreise

Die Heldenreise

Die Heldenreise

im Folgenden finden Sie die Stationen der Heldenreise mit einem frei konstruierten Beispiel.

Stufe 1: Die alte Welt, etwas fehlt – Helden oder HeldIn steckt fest

Sagen wir, Sibylle hat früh geheiratet, um dem Elternhaus zu entkommen und jetzt steckt sie in einer langweiligen Ehe (mit Tom) in einer langweiligen Vorstadt (Hannover) – und hat den großen Wunsch, ihr Leben interessanter zu gestalten.

Dann folgt 2. Der Ruf!

Bei unserer eben erfundenen Sibylle ist es sicher das Innere, aus dem eine Stimme ihr zuraunt: Du musst dein Leben ändern (übrigens ein genialer Titel einer schwierigen Abhandlung von Peter Sloterdijk).

  1. Die Verweigerung des Rufs:

Sibylle sagt sich, so schlimm ist das doch alles nicht, bleibt etwas länger im Bett liegen und schaut noch mehr fern – sie überlegt derweil, ob es sinnvoll ist, in diese Welt Kinder zu setzen oder sie sich vielleicht einen Job suchen sollte oder gar ihren Mann verlassen … es grummelt.

  1. Begegnung mit dem Mentor

Bei einer Party trifft sie auf Stefan, der ein bekannter „Speaker“ ist (wir sagen heutzutage nicht mehr „Redner“) und sogar schon mal bei einem TED-Talk dabei. Er erzählt ihr die Geschichte einer Freundin, die wie Sibylle in einer Ehe feststeckte und durch eine wundervolle Begegnung ihrem Leben eine neue, die richtige, Richtung gab.

  1. Überschreiten der ersten Schwelle: das Abenteuer beginnt

Sibylle denkt nur noch an Stefan. Er hat schließlich nicht nur mit ihr geredet, sondern ihr tief in die Augen geschaut: er hat sie erkannt! Der Blick traf direkt in ihr Herz. Nun weiß Sibylle, dass sie Stefan liebt und ihren Mann gar nicht mehr. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und ruft Stefan an – denn seine Handynummer hat er ihr natürlich auch überlassen.

  1. Bewährungsproben; Verbündete und Feinde

Sie treffen sich und zu Sibylles großem Erstaunen gesteht Stefan ihr, dass er sich ebenfalls in sie verliebt habe – wegen des großen Potentials, das in ihr steckt, wie er sagt. Es kommt zu Berührungen, sogar zu einem Liebesakt in einem Hotel. Aber Sibylles Mann und vor allem dessen Mutter haben Lunte gerochen. Sie schließen sie in dem Reihenhaus von Hannover, wo sie wohnt, einfach ein.

  1. Begegnung mit dem größten Antagonisten – Die Erkenntnis (des Bösen)

Es kommt zur Vergewaltigung in der Ehe. Die Schwiegermutter bewacht Sibylle, sie ist ständig im Haus und hindert Sibylle daran, auszugehen. Tom geht jetzt selbst einkaufen – was er all die sieben Jahre, die sie verheiratet sind, nie getan hat.

  1. Entscheidung: es geht um Leben und Tod

Sibylle weigert sich, mit Tom zu schlafen, er wendet wiederholt Gewalt an. Sibylle weigert sich, mit der Schwiegermutter zu kooperieren und versucht, ihre Freundin Marga anzurufen – mit dem Handy der Schwiegermutter, denn ihres haben die beiden ihr weggenommen. Allerdings findet Tom sie bei diesem verbotenen Tun und sperrt sie nun komplett ein: in den Keller.

Doch Tom hat nicht mit Stefan gerechnet und damit, dass er Sibylle suchen würde. Tom muss ja weiter als Tankstellenpächter arbeiten gehen – manchmal auch bis spät in die Nacht. An einem solchen Abend gelingt es Stefan, in das Haus einzudringen (die Schwiegermutter hat in der Gewissheit, dass Sibylle nicht aus ihrem Kellerloch heraus kann, die Terrassentür offen stehen lassen).

  1. Belohnung, Aufatmen

Stefan findet Sibylle, befreit sie, bringt sie ins Krankenhaus. Sie erstatten Anzeige gegen Tom und seine Mutter.

  1. Rückkehr an den Ausgangspunkt

Nachdem sie wieder hergestellt ist, kehrt Sibylle zurück in das Reihenhaus, das ihr zum Gefängnis wurde. Sie packt ihre Sachen in einen kleinen Koffer und zieht die Haustür hinter sich zu (den Schlüssel hat sie auf den Küchentisch gelegt: es gibt kein Zurück). Sie hat die Scheidung eingereicht, erhält das Haus und verkauft es schnell: an das nächste Paar.

  1. Erneuerung, Verwandlung (das Elixier)

Draußen wartet Stefan mit seinem Tesla und sie fahren erst mal in Urlaub. Das Schmerzensgeld, das Sibylle erhalten hat, wird sie über das nächste Jahr bringen.

  1. Der Kreis schließt sich

Ein Jahr später sitzt Sibylle in einem Reihenhaus und wartet auf Stefan, der nicht nachhause kommt. (kleiner Witz).
Alternativ: Sibylle arbeitet jetzt selbst als TED-Speakerin (Thema: Befreiung der Frau) und ist im siebten Monat schwanger, glücklich und hat ihren Weg gefunden.

Und schon haben wir einen „Fernsehfilm der Woche“ entworfen, bei dem es vielleicht noch zu einem großen Show-Down kommt (Stufe 8: es geht um Leben und Tod) und möglicherweise auch eine Kommissarin als Helferin von Stefan eingesetzt wird. Die Kommissarin wird wahlweise von Susanne Bohrmann (für die jüngeren Zuschauer) oder Julia Koschitz (für die etwas älteren) gespielt; sollte es ein männlicher Kommissar werden, so rangiert die Auswahl im Bereich zwischen Friedrich Mücke und Dietmar Bär.

 

Hanne Landbeck

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