Fatumas Fladenbrot – Short Story von Ernst Steffani

Fatumas Fladenbrot – Short Story von Ernst Steffani

Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden. Ernst Steffani wurde 1985 in Hamburg geboren. Nach einigen Jahren im Ausland lebt er in Berlin, ist selbständig und versucht sich an einer Promotion über nachhaltige Geschäftsmodelle. Aber eigentlich ist er am liebsten zusammen mit meinem Notizbuch irgendwo in der Welt unterwegs.

Fatumas Fladenbrot

Nora genoss diesen Moment. Die Nacht war vorbei. Der Morgen graute und sie stand erschöpft, aber seltsam erleichtert irgendwo auf einer Straße in Kreuzberg, vor einem dieser niemals schließenden, stetig vor sich hin vibrierenden Kellerclubs. Langsam fing sie an, ihre Sinne wieder wahrzunehmen. Sie schmeckte die frische Morgenluft. Sie fühlte, wie diese ihren schwitzenden Körper angenehm kühlte.  Für heute war es genug. Sie spürte bereits, dass die Wirkung des Ecstasy nachließ. Weiterlesen

Schachmatt – Short Story von Martina Siems-Dahle

Schachmatt – Short Story von Martina Siems-Dahle

Diese Short Story ist im Kurs Speed-Writing entstanden. Martina Siems-Dahle ist Autorin und lebt in Köln

Schachmatt

Aus den Augen verloren

Wie hatten alle etwas anderes studiert. Aber unsere Unistadt war übersichtlich gewesen, man konnte sich nicht aus dem Weg gehen. Was auch prima war – wir wurden beste Freunde. Aber wie das so ist: Zu unseren Hoch-Zeiten waren wir acht Mädels und Jungen, die ihren Spaß hatten. Drei sind übrig geblieben. Felicitas, Ferdinand und ich. Nein – soweit ich weiß, ist vom Rest bisher niemand gestorben Aber man hat sich aus den Augen verloren.

In den vergangenen dreißig Jahren haben wir uns maximal fünf Mal gesehen, ab und zu miteinander telefoniert oder gemailt. An meiner Seite begleitet mich seit zwanzig Jahren Gisela, meine Frau. Sie hat mit unserer Studienzeit nichts zu tun, sie kennt die anderen nur flüchtig. Ich habe eigentlich auch nie viel erzählt – von früher. Das war meine Zeit. Unsere ist eine andere. Weiterlesen

Bergnot – Short Story von Judith Schlepütz

Bergnot – Short Story von Judith Schlepütz

Judith Schlepütz ist gelernte Buchhändlerin und Astrologin. „Schreibe viel zu selten literarisches, verkaufe es mehr. Und bin Astrologin.“
Der Text entstand im Speed-Writing

Bergnot

Wie festgetackert

Ist es schon Morgen? Geht die Sonne auf oder unter? Woran erkenne ich nochmal den Unterschied? Sie hängt da so rot rum – was macht sie denn jetzt? Ah! Sie kommt nach oben. Verstehe. Es geht wieder los. Nun denn, versuchen wir, das Beste daraus zu machen, nicht?
Gunther versuchte sich zu strecken, zu dehnen, ließ seine Gelenke kreisen um wieder etwas Leben in die tauben Glieder zu bekommen. Er fühlte sich vollkommen steif, unbeweglich, wie festgetackert – und so sah er auch aus – seine Bemühungen und die Morgengymnastik waren von außen nicht zu erkennen. Darauf war er auch stolz, das hat er von klein auf – äh, von jeher eingeübt. Weiterlesen

Amor von Mallorca – Text von Matthias Pieper

Amor von Mallorca – Text von Matthias Pieper

Diese Geschichte ist im Speed-Writing entstanden; Matthias Pieper ist der Gewinner des Wettbewerbs „Ihr Kindheitssommer“

Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art (…). Und Gott sah, dass es gut war. (1. Mose 1,25)

Amor von Mallorca

Herrlich beruhigend, diese Naturgeräusche

Melanie streckte sich im Gästebett und zog die Decke höher. Draußen ging etwas Wind und raschelte in den Steineichen, das Meer unterhalb der Steilküste brandete gegen die Felsen. Herrlich beruhigend, diese Naturgeräusche, aber heute Nacht konnte sie trotzdem nicht gut schlafen. Sie war erst spät am Abend angekommen und Uschi hatte sie am Flughafen abgeholt, zusammen waren sie zu ihrer Finca hier am nördlichen Ende der Insel gefahren. Hatten geredet bis nach drei und Wein getrunken. Auf Mallorca war es zwar auch noch frisch, April eben, aber allemal besser als Hamburg, das seit Tagen mit Regen überzogen wurde. Weiterlesen

Heute war der Tag

Heute war der Tag

Kurzgeschichte von Ruth Golding – entstanden im Speed-Writing

Der König war nackt

Josefa wachte mit flatterndem Herzen auf, die Bilder des Traums noch lebendig. Der König war nackt in die Stadt gekommen. Es wurde zur Jagd geblasen. Die hellen Bilder des Traumes bedrängten sie. Es war noch früh, aber sie war zu unruhig, um wieder einzuschlafen. Sie stand auf, ging in die Küche und setzte Wasser auf. Dann trat sie auf den kleinen Balkon hinaus, der nur in diesen frühen Morgenstunden etwas Sonne hatte. Noch war kaum Verkehr auf der großen Straße vor ihr. Josefa streckte sich dem Licht entgegen.

Das Flattern in der Brust

Das Flattern in der Brust hörte nicht auf. Es war noch so ruhig, dass sie die Vögel hören konnte. Ihr war, als ob ein ängstlicher Vogel in ihrer Brust singen würde. Der Wasserkocher schaltete sich mit einem Klacken aus und sie ging hinein, um ihren Tee aufzugießen. Josefa setzte sich an ihren Küchentisch, betrachtete den Teebeutel, aus dem langsam braune Schlieren in das farblose Wasser drangen. Ihre Füße wurden vom Sonnenlicht gestreift, die Luft war noch kühl. Ein Laster rumpelte auf der Straße und hielt ein paar Meter weiter beim Bäcker. Der hatte schon ab fünf Uhr morgens geöffnet und versorgte die Frühaufsteher. Brötchen zum Frühstück waren eine gute Idee. Vielleicht würden die paar Schritte auch ihre innere Unruhe vertreiben. Sie zog sich eine Jogginghose und eine Strickjacke über, ordnete schnell ihre kurzen Haare, griff nach Portemonnaie und Schlüsselbund. Weiterlesen

Pistole – Short Short Story von Helga Knocke

Pistole – Short Short Story von Helga Knocke

Diese Short Short Story ist im Kurs „Speed-Writing“ entstanden.
Helga Knocke, ehemalige Lehrerin, lebt in Berlin.

Pistole, das saß

Frank ist wie immer zu spät dran.
Gestern Abend hatte er mit Freunden ausgelassen gefeiert. Er hatte ihnen von seinem Plan erzählt und wie ihn im letzten Augenblick der Mut verlassen hatte. Vielleicht lag es am Alkohol oder an der Angst vor der eigenen Courage. Seine Kumpel hatten böse gestichelt … wie lange willst du noch damit warten? … du weißt doch, sie ist ein harter Brocken … du musst ihr schon die Pistole auf die Brust setzen!

Pistole, das saß, so würde es klappen! Weiterlesen

Das Sparschwein – Short Story von Elena Fischer

Das Sparschwein – Short Story von Elena Fischer

Elena Fischer lebt in Mainz, arbeitet in Heidelberg und schreibt meistens im Zug.
Der Text ist im Speed-Writing entstanden

Das Sparschwein

Er lag in seinem Hochbett. Das Sparschwein, das der Vater ihm zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, ruhte auf seinem Bauch und sah ihn dümmlich grinsend an. Er fuhr über das glasierte, rosa Porzellan. Es fühlte sich kalt unter seinen Händen an. Das Schwein hatte einen Schlitz am Rücken und durch diesen Schlitz fraß es. Hier einen Euro, da zwei Euro Taschengeld, und manchmal, wenn er bei seiner Oma gewesen war, einen Fünf-Euro-Schein, aber das war die Ausnahme. Seine Mutter achtete darauf, dass er das Tier regelmäßig fütterte, sie wollte keinen Ärger mit dem Vater riskieren. Das, was das Schwein verschlang, war erst einmal verloren. Es hatte zwar ein Loch im Bauch, aber das war verschlossen. Weiterlesen

Warme Schokolade – Short Story von Diana Ohmann

Warme Schokolade – Short Story von Diana Ohmann

Diana Ohmann aus Köln schreibt nur ab und zu in ihrer Freizeit und braucht, um sich Zeit für dieses Hobby zu nehmen, einen Push, wie das inspirierende Speedwriting-Seminar von Schreibwerk Berlin.

Warme Schokolade

Die Frau schreit so in den Hörer

„Und wieso ist es dann schon nach drei Tagen kaputt?“ Die Frau schreit so in den Hörer, dass ich das Gefühl habe, ihre Speichelfetzen treffen auf meine Ohrmuschel und ich kann nur mühsam der Versuchung widerstehen, mir mit der Schulter das Ohr abzuwischen.

Ich stelle mir mein telefonisches Gegenüber vor: Wahrscheinlich ist sie Anfang 40, blonde Haare, sehr blond, natürlich gefärbt. Sie ist schlank, bestimmt hat sie einen von diesen Personaltrainern, der sie zur Bestform anregt. Und sie hat so einen kleinen Hund, so eine Trethupe, der auf ihrem Schoß sitzt, während sie mich anschreit und sich zu einer kleinen Kugel zusammengerollt hat, damit weniger von dieser lauten, hohen Stimme bei ihm ankommt. Ich verdrehe innerlich die Augen, vielleicht ist sie auch klein, rothaarig und pummelig, wer weiß das schon. Ist ja auch völlig egal. Weiterlesen