Zum 30. Todestag von Heinrich Böll

Zum 30. Todestag von Heinrich Böll

Zum Todestag von Heinrich Böll

möchte auch ich an ihn erinnern; daran, dass Heinrich Böll mich lehrte, was Details in der Literatur bedeuten („Blut im Urin“ – unvergessen) und dass eine Literatur mit moralischem Impetus entgegen der Lehren der Germanistik, die zu meiner Zeit nur Verachtung für den „Gutmenschen“ übrig hatte, es vermag, Menschen zum Denken zu bringen – und zum Mitgefühl.

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Günter Grass und der Vegetarismus

Günter Grass und der Vegetarismus

Die Interpretation, Grass habe sich in seinem Gedicht „An alle Gärtner“ aus dem Jahr 1956 (sic!) ausschließlich gegen die Vegetarier gewandt, ist sicher so nicht richtig. Hier das Gedicht in voller Länge – wir wären froh über neue Sichtweisen, zu posten als Kommentar

An alle Gärtner

Warum wollt ihr mir verbieten Fleisch zu essen?
Jetzt kommt ihr mit Blumen,
bereitet mir Astern zu,
als bliebe vom Herbst nicht Nachgeschmack genug.
Laßt die Nelken im Garten,
sind die Mandeln doch bitter,
der Gasometer,
den ihr den Kuchen nennt –
und ihr schneidet ihn mir ab,
bis ich nach Milch verlange.
Ihr sagt: Gemüse –
und verkauft mir Rosen im Kilo.
Gesund, sagt ihr und meint die Tulpen.
Soll ich das Gift,
zu kleinen Sträußchen gebunden,
mit etwas Salz verspeisen?
Soll ich an Maiglöckchen sterben?
Und die Lilien auf meinem Grab –
Wer wird mich vor den Vegetariern schützen?
Laßt mich vom Fleisch essen.
Laßt mich mit dem Knochen alleine,
damit er die Scham verliert und sich nackt zeigt.
erst wenn ich vom Teller rücke
und den Ochsen laut ehre,
dann erst öffnet die Gärten,
damit ich Blumen kaufen kann –
weil ich sie gerne welken sehe.

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