Der Berg dampft. Gedanken zum Wintersport und den Fotografien von K.T. Blumberg: Relax, if you can.

Der Berg dampft. Gedanken zum Wintersport und den Fotografien von K.T. Blumberg: Relax, if you can.

 Der Berg dampft

Schräg rechts im Bild trifft das Auge auf eine verspiegelte Wand. Dort sehen wir Menschen, die von einer Aussichtsplattform einen Blick auf die unter ihnen liegenden Bergkuppen werfen. Die Hänge sehen mitgenommen aus. Die Bergrücken zeigen Straßen, eine Berghütte, ermattete Pisten, viel erschöpftes Grün. Und Reste von Schnee. Aus den Bergen steigt Dampf auf, als ob sie ihr Mütchen kühlen müssten, als ob in ihrem Inneren etwas, vielleicht Empörung, Hitze entwickelte. Als ließen sie jetzt schnell noch mal Dampf ab, bevor der nächste Alpenansturm ausbricht.
Links neben der Spiegelscheibe regiert ein trister Himmel. Weiterlesen

Zum 30. Todestag von Heinrich Böll

Zum Todestag von Heinrich Böll

möchte auch ich an ihn erinnern; daran, dass Heinrich Böll mich lehrte, was Details in der Literatur bedeuten („Blut im Urin“ – unvergessen) und dass eine Literatur mit moralischem Impetus entgegen der Lehren der Germanistik, die zu meiner Zeit nur Verachtung für den „Gutmenschen“ übrig hatte, es vermag, Menschen zum Denken zu bringen – und zum Mitgefühl.

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Günter Grass und der Vegetarismus

Günter Grass und der Vegetarismus

Die Interpretation, Grass habe sich in seinem Gedicht „An alle Gärtner“ aus dem Jahr 1956 (sic!) ausschließlich gegen die Vegetarier gewandt, ist sicher so nicht richtig. Hier das Gedicht in voller Länge – wir wären froh über neue Sichtweisen, zu posten als Kommentar

An alle Gärtner

Warum wollt ihr mir verbieten Fleisch zu essen?
Jetzt kommt ihr mit Blumen,
bereitet mir Astern zu,
als bliebe vom Herbst nicht Nachgeschmack genug.
Laßt die Nelken im Garten,
sind die Mandeln doch bitter,
der Gasometer,
den ihr den Kuchen nennt –
und ihr schneidet ihn mir ab,
bis ich nach Milch verlange.
Ihr sagt: Gemüse –
und verkauft mir Rosen im Kilo.
Gesund, sagt ihr und meint die Tulpen.
Soll ich das Gift,
zu kleinen Sträußchen gebunden,
mit etwas Salz verspeisen?
Soll ich an Maiglöckchen sterben?
Und die Lilien auf meinem Grab –
Wer wird mich vor den Vegetariern schützen?
Laßt mich vom Fleisch essen.
Laßt mich mit dem Knochen alleine,
damit er die Scham verliert und sich nackt zeigt.
erst wenn ich vom Teller rücke
und den Ochsen laut ehre,
dann erst öffnet die Gärten,
damit ich Blumen kaufen kann –
weil ich sie gerne welken sehe.

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