Archive Oktober 2018

Virtuelle Begegnung mit Folgen: Was aus einem Online-Kurs werden kann

Virtuelle Begegnung mit Folgen: Was aus einem Online-Kurs werden kann

Virtuelle Begegnung mit Folgen

Man kann im Internet nicht nur den Partner fürs Leben finden. Auch richtig gute Freundschaften können dort ihren Anfang nehmen.

Suchtpotential

Ein Kurs für kreatives Schreiben bei Dr. Hanne Landbeck im schreibwerk berlin hatte Suchtpotential. Es wurden schnell zwei, dann drei und schließlich noch mehr Kurse. Zum einen waren die Onlinekurse sehr inspirierend. Zum anderen haben wir Teilnehmerinnen uns auf Anhieb so gut verstanden, dass schnell der Wunsch nach einer persönlichen Begegnung entstand.

Spannendes Blind Date

Es war ein spannendes Blind Date. Und auch im wahren Leben wurden wir nicht enttäuscht. Obwohl extrem unterschiedlich, nicht nur in den Persönlichkeiten, sondern auch im Schreibstil, treffen wir uns seither mehrmals im Jahr und tauschen uns bei leckerem Brunch über Gott und die Welt und unsere Schreibprojekte aus.

Iris Otto Diana Khazaka

Ihre ersten Romane veröffentlicht

Iris und Andrea haben inzwischen schon ihre ersten Romane veröffentlicht. Rosa-Maria und Diana träumen zurzeit noch davon, es ihnen gleichzutun.

Herbst-Kunstmarkt

Im Oktober 2018 trafen wir uns zu einer gemeinsamen Lesung auf einem Herbst-Kunstmarkt mit interessantem Ambiente in einem kleinen Ort in Niedersachsen. Iris las aus ihrem (inzwischen zweiten) Krimi „RAUB von Silber, MORD für Gold“, Andrea hatte zwei Kapitel ihres Debutromans „Herzfehler“ im Gepäck und Diana testete, ob die autobiographische Erzählung über die Kindheit ihres Vaters in Damaskus, Syrien auch Leser außerhalb ihrer Familie fesseln könnte.

Wir hatten jede Menge Spaß und Kaffee und Kuchen bei strahlendem Sonnenschein.

Nächstes Jahr

Nächstes Jahr wollen wir alle gemeinsam bei einem Präsenskurs von schreibwerk berlin in Potsdam dabei sein. Und wer weiß? Vielleicht schreiben wir ja irgendwann sogar zu viert einen Roman.

Bergnot – Short Story von Judith Schlepütz

Bergnot – Short Story von Judith Schlepütz

Judith Schlepütz ist gelernte Buchhändlerin und Astrologin. „Schreibe viel zu selten literarisches, verkaufe es mehr. Und bin Astrologin.“
Der Text entstand im Speed-Writing

Bergnot

Wie festgetackert

Ist es schon Morgen? Geht die Sonne auf oder unter? Woran erkenne ich nochmal den Unterschied? Sie hängt da so rot rum – was macht sie denn jetzt? Ah! Sie kommt nach oben. Verstehe. Es geht wieder los. Nun denn, versuchen wir, das Beste daraus zu machen, nicht?
Gunther versuchte sich zu strecken, zu dehnen, ließ seine Gelenke kreisen um wieder etwas Leben in die tauben Glieder zu bekommen. Er fühlte sich vollkommen steif, unbeweglich, wie festgetackert – und so sah er auch aus – seine Bemühungen und die Morgengymnastik waren von außen nicht zu erkennen. Darauf war er auch stolz, das hat er von klein auf – äh, von jeher eingeübt. Weiterlesen

Amor von Mallorca – Text von Matthias Pieper

Amor von Mallorca – Text von Matthias Pieper

Diese Geschichte ist im Speed-Writing entstanden; Matthias Pieper ist der Gewinner des Wettbewerbs „Ihr Kindheitssommer“

Und Gott machte die Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art (…). Und Gott sah, dass es gut war. (1. Mose 1,25)

Amor von Mallorca

Herrlich beruhigend, diese Naturgeräusche

Melanie streckte sich im Gästebett und zog die Decke höher. Draußen ging etwas Wind und raschelte in den Steineichen, das Meer unterhalb der Steilküste brandete gegen die Felsen. Herrlich beruhigend, diese Naturgeräusche, aber heute Nacht konnte sie trotzdem nicht gut schlafen. Sie war erst spät am Abend angekommen und Uschi hatte sie am Flughafen abgeholt, zusammen waren sie zu ihrer Finca hier am nördlichen Ende der Insel gefahren. Hatten geredet bis nach drei und Wein getrunken. Auf Mallorca war es zwar auch noch frisch, April eben, aber allemal besser als Hamburg, das seit Tagen mit Regen überzogen wurde. Weiterlesen

Schreiben in Zeiten der Digitalisierung 2

Schreiben in Zeiten der Digitalisierung 2

Wie die Sternschnuppe so schnell

Wir erzählen – und lesen– Geschichten kaum mehr ohne Bilder. Die Literaturliteratur scheint ein aussterbendes Genre zu sein. Zumindest gibt es immer weniger LeserInnen (dafür aber immer mehr AutorInnen). Modernes Storytelling, also Geschichten-Erzählen, kommt mit Bildern, kurzen Absätzen und Zwischenüberschriften daher. Wir sind es inzwischen gewohnt, über den Bildschirm zu scrollen, um eine Information zu vertiefen – oder um zum nächsten Artikel zu wechseln. Wie uns die TV-Werbung mit den schnellen Schnitten in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts beigebracht hat, denken und sehen, vielleicht auch „erkennen“ wir unglaublich viel schneller als in den Jahrhunderten und Jahrtausenden zuvor, wo ein Gedanke bei seiner Entstehung beobachtet werden durfte. Jetzt beobachten wir den Gedanken allenfalls bei seinem Erlöschen. Wie die Sternschnuppe so schnell. Weiterlesen

Schreiben im Zeitalter der Digitalisierung (1)

Schreiben im Zeitalter der Digitalisierung (1)

Internetliga

Die Digitalisierung hat unsere Welt verändert. Nicht nur wir „Bürgerinnen und Bürger“ sind digital vernetzt, auch die Politik will die Digitalisierung zur „Chefsache“ machen. Sie kommt damit reichlich spät, und jeder, der in ein anderes Land reist, wird bemerken, dass Deutschland mitnichten in der ersten Digitalliga spielt. Schlechtes Netz auf dem Land, viel zu wenig Hotspots, horrende Internetkosten … und natürlich viele Programme, die das alles verbessern wollen, aber bürokratisch daher kommen und die Glasfaser irgendwo im brandenburgischen Streusand versenkt – ohne Anschluss, wie manchmal bei der Deutschen Bahn.

Doch lassen wir mal die Klagen und schauen uns an, wie diese digitale Welle auf uns zugekommen ist. Weiterlesen

Le Bassin – Siegerbeitrag von Matthias Pieper zum Wettbewerb Kindheitssommer

Le Bassin – Siegerbeitrag von Matthias Pieper zum Wettbewerb Kindheitssommer

Wettbewerbsbeitrag Nr. 4 von Matthias Pieper, Platz 1

Le Bassin

Unser hellblauer VW Käfer

Unser hellblauer VW Käfer fuhr mit klingelndem Auspuff am Flüsschen Furand entlang die letzten kurvigen Kilometer Landstraße von der Route Nationale zu dem alten Kloster Saint Antoine in der Nähe von Grenoble.
Das war 1977, ich war 10, meine Eltern hatten sich gerade getrennt. So fuhren meine Mutter, meine Zwillingsschwester und ich zu dritt in den Urlaub nach Frankreich. In einem Käfer war das eine lange Fahrt, stundenlang auf Autobahnen, mit einem Dachgepäckträger voller hell- und dunkelbrauner Kunstlederkoffer oben drauf.
Ich hatte einen neuen Stoffaffen, genannt Herr Nilsson, aus dessen Kopf oben eine Schnur mit einer weißen Perle am Ende herauskam. Zog man sie heraus, spielte eine Spieluhr im Innern „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“

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Kindheitssommer – Beitrag z. Wettbwerb Kindheitssommer – von Ruth Maria Knapp

Kindheitssommer – Beitrag z. Wettbwerb Kindheitssommer – von Ruth Maria Knapp

Kindheitssommer

Wettbewerb Beitrag Nr. 5 von Ruth Maria Knapp, 3. Platz (geteilt)

Der Himmel hoch und ungeheuer blau

Es ist warm, der Himmel hoch und ungeheuer blau. Solche Sommer gab es damals. Emilie zeigte ihr die fetten Dotterblumen am Bach. Nein, das sind keine Butterblumen, richtige Sumpfdotterblumen sind das, eine Kostbarkeit, die darf man nicht pflücken, die fühlen sich in der Vase nicht wohl. Anders als die Veilchen im Frühjahr, je dunkler das Lila, desto stärker ihr Duft. Dazu nahmen sie die Schlüsselblumen, die Himmelsschlüssel, der Name schöner als die unscheinbaren blassen Blütenkelche. Kuckucksblumen gab es viele, aber die taugen nicht für den Strauß, der Löwenzahn auch nicht – nicht schön genug. Weiterlesen

Es war … Beitrag zum Wettbewerb Kindheitssommer von Brigitta Scherleitner

Es war … Beitrag zum Wettbewerb Kindheitssommer von Brigitta Scherleitner

Es war

Beitrag Nr. 10 von Brigitta Scherleitner zum Wettbewerb Kindheitssommer Platz 3 nach Juryvotum (geteilt)

 

Es war…

einer dieser Sommer mit Morgenkühle und blankem Himmel, der Freude auf Abenteuer, überwucherten Beeten der Gärtnerei, dem alten Zaun mit gebrochenen Latten, die lose hingen an rostigen Nägeln, umgestürzten Marmorsteinen, deren ausgewaschene Buchstaben der Nachwelt erzählten, von wessen Grab sie stammten, in deren Nähe wir gerne spielten und Reden hielten zur Ehre derer, deren Leben wir erdachten, schmalen Gleisen, zwischen denen Löwenzahn wuchs und Wegwarte, dem steilen Hohlweg, der in den Wald führte, sperrigen Wurzelstufen, über die wir aufwärts sprangen, voller Freude und Erwartung, dem Wäldchen zu, in dem es so still war, dass wir unsere Schritte knacken hörten auf der Nadelstreu, wo das Sonnenlicht geheimnisvolle Flecken auf den Boden zauberte, der großen Lichtung mit den vielen Brombeersträuchern, die wir durchpflügten, trotz der Stacheln, die unsere Beine und Arme zerkratzten, nur die schwarzen Beeren im Sinn, deren süßer Saft unsere Lippen rot färbte, dem Hügel mit der bunten Sommerwiese, wo wir uns voller Lust ins hohe Gras warfen, zwischen leuchtend roten Mohn und Pechnelken, Wiesensalbei und Margeriten, und uns darauf freuten, den Hang hinab zu rollen, schneller, immer schneller, bis wir am Fuße des Hügels zum Stillstand kamen, uns aufrichtend, die Kleidung von Gras und Halmen befreiten, mit einem kleinen Gefühl der Schuld, wegen der vielen Grasflecken auf Hemd und Hose, mit denen Mutter viel Arbeit haben würde.