Archiv 2018

Wettbewerb Food-Writing Text Nr. 2 – Das Frikassee

Frikassee

Text Nr. 2 zum Wettbewerb Food-Writing

Das Frikassee

Im Verlauf des Heiligen Abends höre ich in geringen Abständen Sätze wie: „Es hieß damals nur, die Russen kommen , sie sind nur noch vier Kilometer entfernt.“  „Wir packten unser Hab und Gut zusammen und begaben uns auf die Flucht.“ „Alle hatten Angst , einige weinten , wiederum andere riefen, Kinder und Frauen zuerst auf den Hänger.“  Weiterlesen

Wettbewerb Food Writing Text 1 – Plädoyer für eine Wurst

Wurst

Text Nr. 1 zum Wettbewerb Food-Writing

Plädoyer für eine Wurst

Es ist mir bisher nie in den Sinn gekommen, mal so etwas zu schreiben, hätte ich nicht Frau Landbecks Zeilen gelesen. Aber so stand es nun mal da. Gleich ganz oben, dazu als Blickfang in fett: Food-Writing. Und genauso schnell wie mir dieses Wort ins Auge fiel, suchte dasselbe bereits auf der Rechnertatstatur nach der Delete-Taste. Das braucht kein Mensch, denke ich bei mir und: liest also auch keiner. Ich bin ja schon leicht genervt, wenn ich die, oft zu Adipositas neigenden und vorschnell ergrauten Mittvierziger in den Programmen der TV-Sender sehe, die sich Was-weiß-ich-wieviel-Sterne-oder-sonst-was-für-Köche nennen und deshalb meinen, dass dieses oder jenes Gericht mit genau der Beilage das ist, welches wir in uns hineinzwängen müssen. Hm? Bin mir grad nicht so sicher; aber sind nicht über sechzig Prozent unserer Bevölkerung grundsätzlich übergewichtig? Natürlich nur statistisch gesehen, versteht sich. Zu dem Teil der Bevölkerung gehören dann sicher auch die Leute, die ich dann im Kino, trotz freier Platzwahl ausgerechnet neben mir sitzen habe. Natürlich ausgestattet mit dem XXL-Becher Popcorn und dem anderthalb Liter fassenden Becher Cola. Und als Krönung holen die sich dann in der Werbepause noch schnell ein Eis. So weiß ich, geruchstechnisch meine ich, als Abendbrot-daheim-Esser nämlich irgendwann nicht mehr, ob das Schmatzen jetzt der Dolby-Surround-Sound des Filmes ist, oder ob meine Sitznachbarin gerade nur mal eben noch schnell die Nachoschale geleert hat. Tja, Food-Writing. Weiterlesen

Essen und Schreiben: Food Writing

Wettbewerb und Online-Kurs Food-Writing

Wettbewerb: Schreiben Sie einen Text (bis zu 5 Seiten) über ein Essen in der Weihnachtszeit. Schicken Sie uns den Text bis zum 31. Dezember (info@schreibwerk-berlin – Betreff: Wettbewerb Food-Writing). Gewinnen können Sie die Teilnahme am Online-Kurs Food-Writing. Der führt rund ums Essen zu Blog- oder literarischen Texten oder zu Essays. Der Kurs dauert drei Wochen und präsentiert jeweils in einem Anregungstext das Thema, danach sind die TeilnehmerInnen aufgefordert, ihren aktuellen Text zu schreiben. Erlaubt sind dieses Mal auch Fotos und Instagram-Texte.

Ein paar Gedanken zur (literarischen) Nahrungsaufnahme:

Erbsen, Mohn und Erdbeeren

Was auf den Tisch kommt, wird gegessen – sagte mein Vater und erinnerte damit an die Hungersnöte, die auch in Deutschland geherrscht haben. Diese sind nun weitergezogen, doch ist der Hunger nur bedingt das Gegenteil des Essens. Denn ab und zu kann er die Vorstellung von Genüssen so weit treiben, dass einem förmlich das Wasser im Mund zusammen läuft (nachzulesen bei Günter Grass, Beim Häuten der Zwiebel, pp. 200ff.). Weiterlesen

Fatumas Fladenbrot – Short Story von Ernst Steffani

Fladenbrot

Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden. Ernst Steffani wurde 1985 in Hamburg geboren. Nach einigen Jahren im Ausland lebt er in Berlin, ist selbständig und versucht sich an einer Promotion über nachhaltige Geschäftsmodelle. Aber eigentlich ist er am liebsten zusammen mit meinem Notizbuch irgendwo in der Welt unterwegs.

Fatumas Fladenbrot

Nora genoss diesen Moment. Die Nacht war vorbei. Der Morgen graute und sie stand erschöpft, aber seltsam erleichtert irgendwo auf einer Straße in Kreuzberg, vor einem dieser niemals schließenden, stetig vor sich hin vibrierenden Kellerclubs. Langsam fing sie an, ihre Sinne wieder wahrzunehmen. Sie schmeckte die frische Morgenluft. Sie fühlte, wie diese ihren schwitzenden Körper angenehm kühlte.  Für heute war es genug. Sie spürte bereits, dass die Wirkung des Ecstasy nachließ. Weiterlesen

Der Frauenarzt beim Abendessen – von Katharina Herrmann

Oocyten

Dieser Text ist im Online-Kurs Literarisches Schreiben entstanden. Die Aufgabe lautete, einen Helden mit professioneller Deformation zu inszenieren.

Katharina Herrmann lebt in Berlin-Tempelhof, ist im Bereich Kulturvermittlung/Museum tätig und hält gern in Wort und Bild Alltägliches und Absurdes fest.

Frauenarzt beim Abendessen

Hoffentlich hat die olle Seefeldt die restliche Bestellung im Blick? Poloshirts sind einfach zeitgemäßer, und die backsteinroten machen erst recht was her. Die jungen Damen achten ja auf sowas. Gut, dass ich die Praxis doch nicht verkauft habe. Die Gegend wird immer jünger und fruchtbarer. Aber heute werden wir Mittel- bis Spätmittelalten, in der ausklingenden fertilen Lebensphase, unter uns sein. Bis zum zweiten Gläschen Wein werden wir wieder versuchen uns vorzugaukeln, dass unser Leben im Fluss ist. Nie besser war. Dass wir im besten Alter durch´s Leben gehen, keinesfalls jünger sein wollen.

Apropos: Martin kommt mit einer deutlich verjüngten Version seiner Frau. Ich muss die Brille aufsetzen. Nein, ich diagnostiziere ein neues Modell; eindeutig im besten reproduzierbaren Alter mit einem gebärfreudigen Becken. Glatte Haut und auch die wohlgeformten Brüste verheißen ein ausgewogenes Hormonprofil. Martin, Du Glücklicher. Oh ja, schön Dich kennen zu lernen, Du kleine Venus! Weiterlesen

Schachmatt – Short Story von Martina Siems-Dahle

Schachmatt

Diese Short Story ist im Kurs Speed-Writing entstanden. Martina Siems-Dahle ist Autorin und lebt in Köln

Schachmatt

Aus den Augen verloren

Wie hatten alle etwas anderes studiert. Aber unsere Unistadt war übersichtlich gewesen, man konnte sich nicht aus dem Weg gehen. Was auch prima war – wir wurden beste Freunde. Aber wie das so ist: Zu unseren Hoch-Zeiten waren wir acht Mädels und Jungen, die ihren Spaß hatten. Drei sind übrig geblieben. Felicitas, Ferdinand und ich. Nein – soweit ich weiß, ist vom Rest bisher niemand gestorben Aber man hat sich aus den Augen verloren.

In den vergangenen dreißig Jahren haben wir uns maximal fünf Mal gesehen, ab und zu miteinander telefoniert oder gemailt. An meiner Seite begleitet mich seit zwanzig Jahren Gisela, meine Frau. Sie hat mit unserer Studienzeit nichts zu tun, sie kennt die anderen nur flüchtig. Ich habe eigentlich auch nie viel erzählt – von früher. Das war meine Zeit. Unsere ist eine andere. Weiterlesen

Virtuelle Begegnung mit Folgen: Was aus einem Online-Kurs werden kann

Andrea, Diana, Iris

Virtuelle Begegnung mit Folgen

Man kann im Internet nicht nur den Partner fürs Leben finden. Auch richtig gute Freundschaften können dort ihren Anfang nehmen.

Suchtpotential

Ein Kurs für kreatives Schreiben bei Dr. Hanne Landbeck im schreibwerk berlin hatte Suchtpotential. Es wurden schnell zwei, dann drei und schließlich noch mehr Kurse. Zum einen waren die Onlinekurse sehr inspirierend. Zum anderen haben wir Teilnehmerinnen uns auf Anhieb so gut verstanden, dass schnell der Wunsch nach einer persönlichen Begegnung entstand.

Spannendes Blind Date

Es war ein spannendes Blind Date. Und auch im wahren Leben wurden wir nicht enttäuscht. Obwohl extrem unterschiedlich, nicht nur in den Persönlichkeiten, sondern auch im Schreibstil, treffen wir uns seither mehrmals im Jahr und tauschen uns bei leckerem Brunch über Gott und die Welt und unsere Schreibprojekte aus.

Iris Otto Diana Khazaka

Ihre ersten Romane veröffentlicht

Iris und Andrea haben inzwischen schon ihre ersten Romane veröffentlicht. Rosa-Maria und Diana träumen zurzeit noch davon, es ihnen gleichzutun.

Herbst-Kunstmarkt

Im Oktober 2018 trafen wir uns zu einer gemeinsamen Lesung auf einem Herbst-Kunstmarkt mit interessantem Ambiente in einem kleinen Ort in Niedersachsen. Iris las aus ihrem (inzwischen zweiten) Krimi „RAUB von Silber, MORD für Gold“, Andrea hatte zwei Kapitel ihres Debutromans „Herzfehler“ im Gepäck und Diana testete, ob die autobiographische Erzählung über die Kindheit ihres Vaters in Damaskus, Syrien auch Leser außerhalb ihrer Familie fesseln könnte.

Wir hatten jede Menge Spaß und Kaffee und Kuchen bei strahlendem Sonnenschein.

Nächstes Jahr

Nächstes Jahr wollen wir alle gemeinsam bei einem Präsenskurs von schreibwerk berlin in Potsdam dabei sein. Und wer weiß? Vielleicht schreiben wir ja irgendwann sogar zu viert einen Roman.

Bergnot – Short Story von Judith Schlepütz

Bergnot

Judith Schlepütz ist gelernte Buchhändlerin und Astrologin. „Schreibe viel zu selten literarisches, verkaufe es mehr. Und bin Astrologin.“
Der Text entstand im Speed-Writing

Bergnot

Wie festgetackert

Ist es schon Morgen? Geht die Sonne auf oder unter? Woran erkenne ich nochmal den Unterschied? Sie hängt da so rot rum – was macht sie denn jetzt? Ah! Sie kommt nach oben. Verstehe. Es geht wieder los. Nun denn, versuchen wir, das Beste daraus zu machen, nicht?
Gunther versuchte sich zu strecken, zu dehnen, ließ seine Gelenke kreisen um wieder etwas Leben in die tauben Glieder zu bekommen. Er fühlte sich vollkommen steif, unbeweglich, wie festgetackert – und so sah er auch aus – seine Bemühungen und die Morgengymnastik waren von außen nicht zu erkennen. Darauf war er auch stolz, das hat er von klein auf – äh, von jeher eingeübt. Weiterlesen