Archive Februar 2017

Warum ich schreibe – Text Nr. 3 zum Wettbewerb

Warum ich schreibe – Text Nr. 3 zum Wettbewerb

Warum sie schreiben will?

von Diana Ohmann

Ich liebe Bücher und lese leidenschaftlich gerne und viel, da liegt selber schreiben irgendwann nahe. Für den Job muss ich häufig trockene Fachtexte verfassen, deshalb habe ich privat Lust, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Warum sie schreiben will? Wer will das eigentlich wissen? Und was für eine absolut beknackte Frage, vor allem an sie selbst. Aber wenn diese blödsinnige Frage schon gestellt wird, dann vielleicht wenigstens an uns, hmm? Wir kennen uns nämlich mit Schriftstellern aus, mit richtigen Schriftstellern, ganz im Gegensatz zu ihr.

Einzelne Seiten hatten sich schon längst gelöst

Jetzt will die Dame also selbst schreiben, sagt sie. Wir, wir sind ihr nicht mehr gut genug, der Dame. Dabei hat sie uns früher so geliebt. Schon als kleines Kind hat sie versucht zu lesen, weil ihr Vater nicht genug Deutsch konnte und die Mutter ihr zu langsam vorgelesen hat. Nicht schnell genug konnte es ihr gehen, bis sie uns alleine konsumieren konnte. Immer wieder. Unser Einband wurde fleckig und locker, und einzelne Seiten hatten sich schon längst gelöst. Damals, als wir noch ihre besten Freunde waren, wurden diese Seiten liebevoll wieder eingeklebt. Und beschriftet wurden wir. Hier, könnt Ihr das sehen? Da steht es mit krakeliger Erstklässlerschrift: mein Lieblingsbuch. Ganz vorne drin. Aber jetzt?

Was bildet sie sich eigentlich ein? Wir sind nicht unterhaltsam genug? Klar! Sie kann das besser. Die Leser werden sich schenkelklopfend auf die Erde werfen. Hahaha. Ganz bestimmt!

Frau mit Buch

Zu wenig Leidenschaft? Als würden wir nicht die Blicke sehen, die sie unseren Seiten zuwirft. Vor allem ganz bestimmten Seiten…

Es fehlt an Gefühl? Auch das halten wir für ein Gerücht. Hier, hier guckt doch, wo die Seiten ein bisschen feucht gewellt sind. Glaubt ihr, das kommt vom Regen? Wahrscheinlich glaubt ihr auch an den Weihnachtsmann.

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Warum schreiben Sie? Eingereichte Texte: Nr. 1

Warum schreiben Sie? Eingereichte Texte: Nr. 1

Hier veröffentlichen wir die eingereichten Texte (sofern das Einverständnis des Autors, der Autorin vorliegt) – und Sie können „liken“.

Warum ich schreibe

Von Wolfgang Wimmer
Wolfgang Wimmer – WW. Filmschaffender, Berater, Autor. Zuhörer und Erzähler. Suchender und Finder.

Schreiben und sprechen waren für mich tabu. Ich stottere und bin Legastheniker. Das war 1956 bei   meinem Schuleintritt echt ein Problem. Ich sollte auf die Sonderschule. Zum Glück hatte ich auch noch ein Problem mit meiner Phantasie, ich glaubte nämlich meine eigene Realität. Die Anderen nannten das lügen. Deshalb kam ich sicherheitshalber gleich in die Kinder-Psychiatrie. Da war’s dann eh egal. Ein stotternder Legastheniker, der Worte umdreht und alles, was er rausbringt – sind Lügen. Das war dann erst mal für zwei Jahre meine Diagnose. Hochintelligent aber… tja, muss man medikamentieren.

Irgendjemandem muss ich das erzählen

Mir war klar, ich muss irgendjemandem erzählen, was in meinem Kopf ist, sonst bleibe ich da drin stecken. Also habe ich es aufgeschrieben. In einer Art Geheimschrift, die niemand lesen konnte. Und es sollte auch niemand lesen. Ich habe manisch geschrieben. Eigentlich Buchstaben gemalt. Oft nur, weil ich es eben schon konnte und die Anderen noch nicht. Auch als mich kontrollieren gelernt hatte und wieder ins normale Leben durfte.

Das Schreiben blieb. Immer.

Das Schreiben blieb. Immer. Der magische Moment, mich mit einem leeren Heft und einem Füllfederhalter hinzusetzen und die ersten Zeichen auf das Papier zu malen. Das mache ich bis heute. Ich bin dankbar, dass das Pages-Programm meine Wörter zurecht dreht und geduldig eines von den drei „T“ aus „hatt“ verschwinden lässt – ups – es ist sogar nur ein einziges T, hätte ich jetzt schon wieder falsch geschrieben.

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