Was wäre wenn … Sie neue Perspektiven brauchen?

Der Schwung des Beginns

Viele Autor*innen haben eine Idee, beginnen zu schreiben, sie schreiben weiter – und auf Seite 20, 35 oder gar 86 bleiben sie stecken. Der Schwung des Beginns ist futsch, nichts scheint mehr zu passen oder weiter zu führen. So viel Zeit haben Sie auf den Beginn verwendet, so schöne Momente hat das Schreiben Ihnen beschert, und doch … Sie stecken fest.

Zeit also, andere Perspektiven einzunehmen und neue Fragen zu stellen. Oder vielmehr eine bestimmte Frage:

Was wäre, wenn …?

Nehmen wir das Bild des Feststeckens:  Ihre Protagonisten sind mit dem Auto in den Schlamm gefahren oder stecken mit dem Karren im Wüstensand fest. Was tun sie? Sie suchen nach Hilfe. Vielleicht gibt es ja andere Autos, die mit starken Männern und Seilen vorbeikommen und sie rausholen aus dem Loch. Problem gelöst. Aber die Geschichte steckt schon wieder im Sand.

Also fragen Sie anders:

Was wäre, wenn …

… doch wenn keine Hilfe kommt? Oder… wenn die Gruppe vergessen hat, ausreichend Wasser mit in die Wüste zu nehmen? Sagen wir, es handelt sich um eine Reisegruppe von vier Personen, und sie teilen sich das wenige Wasser auf.

Was wäre, wenn… 

… ein Streit entstünde, weil Frau A meint, Frau B hätte mehr Tropfen geschluckt, als ihr zustünden? Der Streit eskaliert. Was wäre, wenn…

… die beiden Männer, die Ehegatten von Frau A und B, dies als Anlass sähen, die latent vorhandene Eifersucht von Herrn A auf Herrn B letztendlich per Faustkampf zu regeln? Beide lägen schließlich erschöpft und blutend auf dem Sandboden, sie lechzten nach Wasser, aber, was wäre wenn…

… die Ehefrauen sich in seltener Solidarität dazu entschlössen, die beiden einfach liegen zu lassen? Sie nähmen die letzte Flasche und marschierten los, würfen noch nicht mal mehr einen Blick zurück auf die beiden Kampfhähne.

Sand aus Ihrem Getriebe

Was wäre, wenn … ist also eine Frage, die an jeder Kreuzung Ihrer Erzählung und vor allem: an jedem Stopp, wo Sie nicht weiter kommen, Perspektiven eröffnet, Möglichkeiten sieht, Optionen zulässt, also den Sand aus Ihrem Schreibgetriebe bläst und Ihren Kopf frei macht.

Ich bin auf diese simple Story, ddurch das Bild „Im Sande stecken“ gekommen – und sie ist natürlich noch nicht fertig. Ich habe mir an jeder Wegkreuzung, also nach dem Feststecken, nach dem Streit der beiden Frauen, nach dem Kampf der beiden Männer … jeweils die Frage gestellt: WAS WÄRE WENN? – und mögliche Optionen entwickelt.

Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand

Mit dieser Frage kommt man sehr weit. Damit Sie nicht den Fehler begehen, und 86 Seiten schreiben, ohne ein mögliches Ende Ihrer Geschichte zu kennen, rate ich Ihnen, erst einmal ein Handlungsgerüst zu planen und dieses aus einer Ausgangssituation zu entwickeln. Dabei hilft Ihnen „Was wäre wenn?“ immer weiter. Schauen Sie bei der Planung lediglich auf die Wendepunkte Ihrer Handlung, auf die jeweils nächste Station, bis Sie zu einem Ende gelangen.

Stecken Sie also nicht den Kopf in den Sand, sondern fragen Sie: Was wäre, wenn?

 

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