Galizien – Ein Reisebericht von Brigitte M.

Der Text ist im Sommer 2017 im Kurs Schreib&Reise entstanden

Galizien – Eine fiktionalisierte Reise

Ich hatte Sehnsucht nach dem Meer, dem wilden Meer. Der Atlantik an Spaniens Westküste machte mich neugierig. Ursprüngliche Natur, saubere Gewässer und guten Fisch – das waren Gründe genug, meinen Urlaub dort zu verbringen. Viele Alleinreisen gewöhnt, wollte ich dieses Mal in Gesellschaft reisen.
Ich rief meinen alten Klassenkameraden Egbert an, geschieden und alleinlebend wie ich. „Hallo Eggi, kommst du mit mir eine Woche nach Galizien? Wandern, Lesen, gut Fisch essen und die wilde Todesküste erkunden?“ Egbert sagte ja.  Ich buchte eine Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern für uns und die Flüge. Am 30. Juni um halb zwölf Uhr trafen wir am Flughafen zusammen, um für unseren Flug einzuchecken.

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Eine Reise in die Arktis – von Helga Knocke

Dieser Bericht ist in dem Kurs „Schreib&Reise“ im Sommer 2017 entstanden und führt uns in kältere Regionen.
Helga Knocke, ehemalige Lehrerin, lebt in Berlin

 

Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt  machen

Freitag, 13. Juli 2012

Liebe Vera,

sicher erinnerst du dich noch an meinen sechzigsten Geburtstag, den ich – ich war gerade mal vier Jahre in Berlin – im großen Freundeskreis gefeiert habe. Damals war es mir ein Bedürfnis, mein altes und mein neues Leben zusammenzuführen, mit Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, ein großes Fest zu feiern. Als mein fünfundsechzigster anstand, war mir nach etwas ganz Anderem, ich wollte mir selbst einen Wunsch erfüllen, den ich schon eine Weile mit mir herumtrug. Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt machen, weit in den Norden, so weit, wie man mit einem Schiff kommen kann, bis an die Packeisgrenze, ins Reich der Eisbären und Polarfüchse. Weiterlesen

Der Charme des weißen Hauses – von Claudia Siemon

Der Charme des weißen Hauses von Claudia Siemon

Der Text entstand im Speed-Writing als Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie?“
Claudia Siemon, geb. 1954, Studium Englisch und Russisch in Göttingen und Innsbruck. Lebt in Tirol. Veröffentlichte Fantasy und andere Kurzgeschichten und arbeitet als Sekretärin in Innsbruck.

Robert Brenning schaute auf den Abzug des alten Stadtfotos und verglich es mit der Szenerie um sich her. Es könnte stimmen, dachte er. Die alten Häuser rundum – nun gut, sie waren Neubauten gewichen, möglicherweise auch im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, das Bild war uralt, um 1900 herum entstanden, vielleicht noch früher; mit Mode kannte er sich nicht aus, schon gar nicht mit so altmodischer. Er musste über sein eigenes Wortspiel lachen und sah noch einmal genau hin. Doch, das Haus, das auf dem Foto eine weiße Fassade aufwies, mit dem Erker oder Balkon über der Tür, das hätte sich durchaus in dieses Haus hier ver­wandeln können; ohne Balkon zwar jetzt, aber der Erker war noch da. Und die Kirche? An Sakralbauten wird nur wenig verändert; eher detailgetreu restauriert. Er bog um die Ecke und stand vor der Seitentür der Kirche. „Ora pro nobis“, stand in großen schwarzen Lettern darüber. Er trat einen Schritt zurück. Ja, das war die Kirche, unbedingt! Die Tür, die Inschrift. Er war am Ziel. Er würde … Weiterlesen

Augenblick – von Andrea Gärtner

 Augenblick – von Andrea Gärtner

Diese Short Story entstand im Speed-Writing, dem Gewinner-Kurs des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie“

Milla saß am Fenster und starrte hinaus. Das muntere Treiben ihres Lieblingscafés hatte sie ausgeblendet. Sie hielt ihren Latte zwischen den eisigen Fingern und dachte angestrengt nach. Wie hatte es nur soweit kommen können? Sie hatte sich immer für eine emanzipierte Frau gehalten, die ihr Leben klar vor sich gesehen hatte. Mit dem Volontariat im Museum war sie ihrem Traumberuf der Kuratorin wieder ein Stück nähergekommen. Und die Beziehung zu Till hatte sich anfangs auch genauso gestaltet, wie sie sich das gewünscht hatte. Anfangs. Sie trank einen Schluck Kaffee und stellte das Glas ab. Als ihr Ellenbogen die Tischkante berührte, zuckte sie schmerzhaft zusammen. Weiterlesen

Ein merkwürdiger Tag – von Diana Ohmann

Ein merkwürdiger Tag – von Diana Ohmann

Diese Short Story entstand im Speed-Writing – der Gewinn des Wettbewerbs „warum schreiben Sie?“

iAm sah sich um. Das konnte einfach nicht möglich sein. Absolut unmöglich. Er kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder, in der Hoffnung; alles würde sich nur als böser Traum entpuppen. Von dem braunen Sumpfmann, mit dem er sich die karge Schlafzelle in der Karawanserei geteilt hatte, war nur noch eine zerknüllte Decke zu sehen. Immerhin eine Decke! Denn iAms eigene Habseligkeiten hatten sich buchstäblich in Luft aufgelöst, seine Umhängetasche, seine Schuhe, sein Umhang, Proviant – alles war verschwunden. Man hatte es scheinbar sogar geschafft, ihn während der Nacht von seinem Schlafteppich zu rollen und ihm diesen unter seinem Hintern weg zu entwenden. Weiterlesen

Ein Mittsommernachtstraum – von Wolfgang Wimmer

Dieser Text entstand im Speed-Writing (der Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie“?) – und ist etwas länger geworden, als die üblichen Speed-Writing-Texte

Ein Mittsommernachtstraum – von Wolfgang Wimmer

Die Sonne war nicht wirklich untergegangen. Die Nacht war hell und weich gewesen. Sommer in Norwegen. Marla hatte lange Zeit an Deck gestanden und den silbern glitzernden Bugwellen nachgesehen, bis sie sich an den Felsen brachen. In den Fjorden war die Küste so nah, dass man das Harz der Wälder riechen konnte. Marla fröstelte. Sie war fit für ihr Alter. Man sah ihr die fünfundsechzig Jahre nicht an. Aber jeder Morgen brachte Schmerzen, die dann tagsüber leichter wurden. Sie nahm keine Medikamente. Nicht aus Stolz. Marla wollte einen klaren Kopf haben.

Wenn der Schmerz doch so stark wurde, dass sie stehen bleiben musste, dann nur, um den Krampf im Brustkorb abklingen zu lassen. Wenn das harte Zwerchfell den Atem stoppte und sie ihr Blut in den Ohren rauschen hörte, sah sie in den Augen ihrer Enkelin Laura ihren nahen Tod.

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Cambli – Eine Story aus dem Kurs Fiction Writing

Cambli – Die Geschichte eines Landstreichers

von Gebhard Kopp (früher Banker, lebt in der Schweiz)
*Anm. d. Red.: deshalb ohne „ß“
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Der Text ist im Kurs „Fiction Writing“ entstanden
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Zeitungsnotiz
Am 26. Dezember ist Joseph Burky, genannt Cambli, am Ufer der Saane erfroren aufgefunden worden. Er wird auf dem Gemeinschaftsgrab des städtischen Friedhofs bestattet.

Madame de …

„Was machen Sie denn da, junger Mann?“ sagt sie indigniert. Die alte Dame in Zobel-Pelzmantel und -mütze steht vor ihm und betrachtet ihn mit scharfem Blick aus faltigen grauen Augen: Sie sieht einen stämmigen Mann – um die sechzig, mit grauem Stoppelbart, Walrossschnauz, wirren grauen Haaren unter einem verwaschenen grau-grünen Filzhut; abgetragene Hosen schlottern um seine dünnen Beine. Statt einem Gurt nutzt er eine Garbenschnur, um das kragenlose blaue Hemd in der Hose zu halten. Sein Cordkittel schlabbert um seine Hüften. All das sieht Cambli in den Augen der Zobeldame, als er aufschaut und sagt:

„Eh bien, Madame, ich untersuche den Mülleimer.“

„Das sehe ich! Was suchen Sie da?“

„Ich suche nach etwas Essbarem, Madame.“

„Essbares? Sie suchen nach Essen im Mülleimer?“

„Ja, Madame. Es wird so vieles weggeworfen, das man noch brauchen kann.“

„Widerlich! Ekelhaft! Das geht doch nicht! Aus dem Mülleimer! Kommen Sie mit, ich gebe Ihnen etwas zu essen.“

„Gerne, Madame, wenn es nicht zu weit ist.“

„Nein, es ist nicht weit, es ist die Maison de Castella, gleich da hinten.“

„Ah, gut. Dann sind Sie Madame de Castella?“ Weiterlesen

Warum ich schreibe – Ein Testimonial von Tonie Richter

Warum ich schreibe

Tonie Richter, 47, lebt in Berlin. Sie studierte Jura in Hamburg und Paris, arbeitet als Juristin, ist verheiratet und hat vier Kinder. Dieser Text entstand zu Beginn des Online-Kurses Fiction Writing

Schreiben in der Nacht

Meine letzte Schreibphase 2016 dauerte von Anfang Oktober bis Anfang November. Ich schrieb abends und bis  tief in die Nacht, wenn die Kinder schon schliefen und mein Mann nicht da war. Es war wie in den lange zurück liegenden Zeiten meiner Doktorarbeit, die ich in der letzten, intensiven Phase immer zwischen 19 Uhr abends (nach den Vorabendserien im Fernsehen) und drei Uhr nachts schrieb. Dann schlief ich bis mittags, kaufte ein, kochte (die erste Mahlzeit am Tag war meist das Mittagessen), las am Nachmittag Quellen und Fachtexte, ging in die Bibliothek und machte Recherchen und Notizen. Keine Textproduktion! Dann kam „Verbotene Liebe“ oder „Unsere kleine Farm“ – die Vorabendserien konnten nicht kitschig genug sein –  und dann setzte ich mich an den Schreibtisch, hörte Streichquartette und tippte. Das Beste: nachts geschriebene Texte musste ich kaum überarbeiten. Sie waren einfach gut. Versuchte ich die Textproduktion am Vormittag – gar keine Chance. Jeden Satz musste ich dreimal umdrehen. Weiterlesen

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