Das Sparschwein – Short Story von Elena Fischer

Elena Fischer lebt in Mainz, arbeitet in Heidelberg und schreibt meistens im Zug.
Der Text ist im Speed-Writing entstanden

Das Sparschwein

Er lag in seinem Hochbett. Das Sparschwein, das der Vater ihm zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, ruhte auf seinem Bauch und sah ihn dümmlich grinsend an. Er fuhr über das glasierte, rosa Porzellan. Es fühlte sich kalt unter seinen Händen an. Das Schwein hatte einen Schlitz am Rücken und durch diesen Schlitz fraß es. Hier einen Euro, da zwei Euro Taschengeld, und manchmal, wenn er bei seiner Oma gewesen war, einen Fünf-Euro-Schein, aber das war die Ausnahme. Seine Mutter achtete darauf, dass er das Tier regelmäßig fütterte, sie wollte keinen Ärger mit dem Vater riskieren. Das, was das Schwein verschlang, war erst einmal verloren. Es hatte zwar ein Loch im Bauch, aber das war verschlossen. Weiterlesen

Warme Schokolade – Short Story von Diana Ohmann

Diana Ohmann aus Köln schreibt nur ab und zu in ihrer Freizeit und braucht, um sich Zeit für dieses Hobby zu nehmen, einen Push, wie das inspirierende Speedwriting-Seminar von Schreibwerk Berlin.

Warme Schokolade

Die Frau schreit so in den Hörer

„Und wieso ist es dann schon nach drei Tagen kaputt?“ Die Frau schreit so in den Hörer, dass ich das Gefühl habe, ihre Speichelfetzen treffen auf meine Ohrmuschel und ich kann nur mühsam der Versuchung widerstehen, mir mit der Schulter das Ohr abzuwischen.

Ich stelle mir mein telefonisches Gegenüber vor: Wahrscheinlich ist sie Anfang 40, blonde Haare, sehr blond, natürlich gefärbt. Sie ist schlank, bestimmt hat sie einen von diesen Personaltrainern, der sie zur Bestform anregt. Und sie hat so einen kleinen Hund, so eine Trethupe, der auf ihrem Schoß sitzt, während sie mich anschreit und sich zu einer kleinen Kugel zusammengerollt hat, damit weniger von dieser lauten, hohen Stimme bei ihm ankommt. Ich verdrehe innerlich die Augen, vielleicht ist sie auch klein, rothaarig und pummelig, wer weiß das schon. Ist ja auch völlig egal. Weiterlesen

Feine Gesellschaft – Short Story von Andrea Gärtner

Diese Story entstand im Speed-Writing
Andrea Gärtner, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet in Südniedersachen. Nebenbei schreibt und veröffentlicht sie Kurzgeschichten. 2017 erschien ihr erster Roman „Herzfehler“.

Sie war und blieb allein

„Du kannst mich doch hier nicht so liegen lassen!“

Unten fiel mit lautem Knall die Tür ins Schloss. Für einen Moment hielt sie den Atem an. Er würde zurückkommen und sie losmachen. Ganz sicher. Sie lauschte, hoffte etwas zu hören, das seine Rückkehr ankündigte. Als das Zimmer vor ihren Augen zu verschwimmen begann, atmete sie keuchend aus. Sie war und blieb allein. Um sie herum nichts als Stille. Lediglich das Ticken der Standuhr war zu hören. Weiterlesen

Sauerstoff-Mangel – eine Short Story von Beate van den Berg

Die Short Story „Sauerstoff-Mangel“ ist im  Speed-Writing-Kurs entstanden.
Die Autorin Beate van den Berg lebt in Berlin

Dass es so einfach sein würde

Dass es so einfach sein würde, hatte er nicht erwartet. Immer und immer wieder hatte er im Kopf alles durchgespielt und sich sämtliche Eventualitäten vorgestellt. Aber als die Tür sich ohne weiteres mit der kleinen Scheckkarte öffnen ließ, war er für einen kurzen Moment überrascht. Weiterlesen

Hummer satt – eine Short Story von Beate van den Berg

Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden.

Autorin Beate van den Berg lebt in Berlin

Hummer satt!

Lieber Cruiser als Loser

Neben mir sitzt Frau Kirsch. Sie macht wie ich ihre Rente zum Erlebnis und beglückt alle Anwesenden am „Round table“ während des Abendbüffets regelmäßig mit dem etwas zu laut geratenen Schlachtruf „Lieber Cruiser als Loser. Stimmt doch, oder?“ Die manchmal pikiert wirkenden Blicke ihrer Büffetgenossen ignoriert sie ebenso wie ihre kleine Speckrolle um die Hüften, die ihr den Genuss von Aal in Gelee eigentlich verbieten müsste. Egal, Frau Kirsch macht ihrer rheinländischen Herkunft alle Ehre und sorgt dafür, dass am Tisch keine störenden Denkpausen entstehen. Weiterlesen

Im Sommer geht die Sonne nie unter – eine Short Story von David Betzing

Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden.
David Betzing studiert Germanistik in Heidelberg

Ein Lichtstrahl fiel hinein

„Mutter“, rief Lavia. „Wo bist du?“
Sie eilte zum nächsten Raum. In ihrer Hosentasche spürte sie den Brief.
„Mama?“, rief sie erneut.

Sie schaute in den Raum und sofort war ihr klar, dass ihre Mutter nicht hier war. Lavias Blick fiel auf das Bett, das unter einem schmalen Fenster stand. Ein Lichtstrahl fiel hinein und beleuchtete ein zerwühltes Laken in reinem Weiß. Weiterlesen

Der Besucher – Eine Short Story von Stefan Gross

Stefan Gross ist Architekt und wohnt in München
Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden

Ihr Nachtgeruch hing noch im Zimmer

Ihr Nachtgeruch hing noch im Zimmer, in der Kammer sollte ich besser sagen, denn es war ein sehr altes Haus. Sie war vor wenigen Minuten abgerauscht mit ihrem C3, metallic blau. Termin in Berlin, ich hab‘ vergessen was es genau war. Kommunikationstrainerin… wohl ein Seminar. Ich öffnete das Fenster, ein vorbildlicher Septembertag strömte herein, die Sonne ging im Osten auf, über dem Bruch lag Frühnebel. Die Verheißung der heilen Welt da draußen behütete mich wenigstens heute davor, in ihr unverschämt ungemachtes Bett zurück zu kehren und darüber zu grübeln, wie lange meine Beziehung zu dieser viel zu jungen Frau noch dauern könnte, bevor wir uns ernsthaft beschädigen würden. Weiterlesen

Der Charme des weißen Hauses – von Claudia Siemon

Der Charme des weißen Hauses von Claudia Siemon

Der Text entstand im Speed-Writing als Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie?“
Claudia Siemon, geb. 1954, Studium Englisch und Russisch in Göttingen und Innsbruck. Lebt in Tirol. Veröffentlichte Fantasy und andere Kurzgeschichten und arbeitet als Sekretärin in Innsbruck.

Robert Brenning schaute auf den Abzug des alten Stadtfotos und verglich es mit der Szenerie um sich her. Es könnte stimmen, dachte er. Die alten Häuser rundum – nun gut, sie waren Neubauten gewichen, möglicherweise auch im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, das Bild war uralt, um 1900 herum entstanden, vielleicht noch früher; mit Mode kannte er sich nicht aus, schon gar nicht mit so altmodischer. Er musste über sein eigenes Wortspiel lachen und sah noch einmal genau hin. Doch, das Haus, das auf dem Foto eine weiße Fassade aufwies, mit dem Erker oder Balkon über der Tür, das hätte sich durchaus in dieses Haus hier ver­wandeln können; ohne Balkon zwar jetzt, aber der Erker war noch da. Und die Kirche? An Sakralbauten wird nur wenig verändert; eher detailgetreu restauriert. Er bog um die Ecke und stand vor der Seitentür der Kirche. „Ora pro nobis“, stand in großen schwarzen Lettern darüber. Er trat einen Schritt zurück. Ja, das war die Kirche, unbedingt! Die Tür, die Inschrift. Er war am Ziel. Er würde … Weiterlesen

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