Beitrag zum Wettbewerb „Notizbuch“ von Maria Unger

Maria Unger ist ehemalige Lehrerin und lebt in Bayern

Notizbuch 4 2017 – 08 – 29

Gedanken einer älteren Frau
ihren Umgang mit Notizbüchern betreffend

Eine Wolkenguckerin

Vor Jahren hat die Tochter der Mutter ein wunderschönes Buch geschenkt, SKYWRITING journal . Sie weiß nämlich, dass die Mutter eine Wolkenguckerin ist, dass sie manchmal Geschichten schreibt und noch öfter Geschichten liest. Aber Lesetexte enthält das Buch nicht, die Seiten sind nicht durchnummeriert, sondern über jede Doppelseite erstreckt sich ein Foto von Wolkenmassen, von Landschaften, die sich unter einem breiten Himmel ausdehnen, oder von Nebelschwaden, die Berge einhüllen. Krähen sitzen auf einem Kabel im blassen Abendlicht, ein gleißender Blitz zuckt aus einer Wolke, eine kaum sichtbare, schwach gekräuselte Linie trennt Himmel und Wasser. Überall viel freie Fläche, Wolkenweiß, Meeresblau und Nebelgrau. Weiterlesen

Beitrag zum Wettbewerb „Notizbuch“ von David Betzing

David Betzing ist Student der Geschichte und Germanistik

»Das Ende ist der Anfang« oder »Opfer der modernen Zeit«

Ich klappte mein Notizbuch zu

Niemand, der ohne Sorgen ist, fängt an zu schreiben, dachte ich mir. Ich klappte mein Notizbuch für diesen Tag zu. Meine Pflicht war getan, ein weiterer Tag dokumentiert. Falls sich irgendwann mal jemand für mein Leben interessieren sollte.

Ich legte es auf meine metallene Ablage über meinem metallenen Schreibtisch. Alles hier war aus Metall, Glas oder Plasma. Im Weltraum mussten die Materialien widerstandsfähig sein. Mein Notizbuch hingegen war in einen Ledereinband gebunden, mit Papier aus handgeschöpften Rosenblättern. Ich hatte es extra von der Erde hierher transportieren lassen. Fast mein ganzer karger Lohn ging dafür drauf. Ich musste immer ein Jahr im Voraus bestellen, damit es rechtzeitig ankam, wenn ich das letzte Buch vollgeschrieben hatte. Hier, auf dem Außenposten im Musk-System, bekam man Lust aufs Schreiben. Weiterlesen

Beitrag zum Wettbewerb „Notizbuch“ von Melanie Penquitt

Nicht bloß Worte

Erinnere-dich

„Bitte nimm mich mit“, sprach mein Notizbuch und ich nahm es mit. Mit zum Einkaufen. Zu Ausflügen. Zur Arbeit. Mit in den Urlaub. Mein Notizbuch wurde zum ständigen Begleiter. Zum Freund. Zum Erinnere-dich. Zum Therapeuten. Anstelle von Fotos, die in Fotoalben geklebt werden, hielt ich Worte fest. Und ganz im Gegensatz von Fotoalben, in denen nur das Schöne festgehalten wird, vertraute ich meinem Notizbuch alles an. Ich schrieb von Gefühlen und Gedanken genauso wie von Einkaufslisten und Kontaktdaten. Fuhr ich mit dem Auto, so saß mein Notizbuch neben mir oder lag im Handschuhfach zum Ausruhen. Passierte ich interessante Ortsnamen, so rief es aus: „Bitte füttere mich!“ Ich tat wie geheißen, denn ich wußte, ich würde bei der einen oder anderen Kurzgeschichte wieder darauf zurückgreifen können. Weiterlesen

Beitrag zum Wettbewerb „Notizbuch“ – von Stefan Gross

Dieser Beitrag stammt von Stefan Gross, Architekt

Steine

Der Altar der Arillas

Der Altar der Arillas ist ein Stein im Meer. Einer von fünf, die von der Steilküste gefallen sind. Er hat eine besondere Position, mit auffällig schönen Abständen zu seinen Brüdern und zur Steilwand hin. Entfernte man ihn, fehlte etwas, bliebe der Eindruck einer Lücke. Er bestimmt das System. Deshalb haben sie ihn ausgewählt. Vom Strand aus ist er nicht zu sehen. Man muss um den Arm der Bucht herum durchs Wasser. Man kann hin waten. Ich stehe bis zur Hüfte im Meer und will den Blick nicht abwenden, als könnte ich so das Kunstwerk auf dem Stein vor seinem Zerfall bewahren. Weiterlesen

Wie ich einen Roman schrieb – von Jack Lund

Über den Wolken

Alles begann im Februar 2014 mit einem Online-Kurs von schreibwerk berlin. „Extremdenken“ nannte er sich, und aus verschiedenen persönlichen Gründen erschien mir der Titel als passende Herausforderung für meine damalige Situation. Im Kurs entstanden die zwei Hauptfiguren meines ersten Romans, ÜBER DEN WOLKEN, der chaotische Mediziner und Transmann Joshua und der (zunächst) pflichtbewusste Bundewehrpilot Jacob.

Feedback war ermutigend

Das Feedback meiner zahlreichen Mitschreibenden war sehr ermutigend- dafür danke ich Euch ganz herzlich! Ihr habt mich ermutigt, von Anfang an das ganz große Ziel, meinen ersten Roman, ins Auge zu fassen.

Erste Plotideen entwickelten sich im Kursabschnitt „Extreme Handlung“, dann musste ich das Projekt aus beruflichen Gründen für zwei Monate auf Eis legen. Aber die Schreibwut hatte mich gepackt, ich wurde immer unzufriedener, bis mich meine bessere Hälfte entnervt drängte, doch endlich wieder zu schreiben – ich sei sonst unerträglich. Weiterlesen

Das Notizbuch als Rückgrat der Literatur? Ein Wettbwerb

Das Notizbuch

Das Notizbuch hat unglaublichen Wert für Menschen, die schreiben. Sie können es als Erinnerungshilfe nutzen, um Menschen zu porträtieren, die ihnen begegnen, um Ideen aufzuschreiben für mögliche Geschichte – oder einfach als Stütze für ihre Einkäufe verwenden. Notizbücher sind grandios, auch deshalb, weil wir sie überall hin mitnehmen können und es keine flimmernden Werbefenster gibt, die uns suggerieren, dass wir ganz was anderes tun sollten als zu schreiben. Wir können darin kritzeln, oder sie zu Kunstwerken formen. Wir können viele Notizbücher anlegen und sie dann zusammen bringen wie Doris Lessing das mit dem „Goldenen Notizbuch“ tat. Banale Einkaufslisten können später zu einer Charakterisierung eines Protagonisten dienen, oder wir können dann eine Geschichte über jenen Käse schreiben, den wir damals zu kaufen beabsichtigten … Weiterlesen

Ein Buch schreiben? – Ein Bericht von Andrea Gärtner

Andrea Gärtner lebt als Diakonin in Duingen und hat nun ihren ersten Roman „Herzfehler“ veröffentlicht.

Ein Buch schreiben?

Ein Buch schreiben? Klar, wollte ich immer schon mal. Darum habe ich auch im zarten Alter von 13 Jahren ein erstes Manuskript an einen Kinderbuchverlag geschickt. Und meine erste Absage kassiert. Meinen Ambitionen, professionelle Schriftstellerin zu werden hat das schnell den Stecker gezogen. Ich bin der Literatur zwar treu geblieben, aber eher auf der anderen Seite des Buches – als Leserin.
Vor einigen Jahren hat mich das Schreibfieber dann aber doch wieder gepackt. Ich meldete mich zu Schreibkursen bei schreibwerk berlin an und lernte dort neben dem nötigen Handwerkszeug auch meinen ersten Romanhelden kennen.

Ursprünglich bin ich zum Schreiben angetreten, um einen Krimi zu schreiben. Ich selber lese gern Krimis, darüber hinaus mag ich aber auch alle Bücher, in denen skurrile Figuren gut gezeichnet sind. Dabei ist mir das Genre dann (fast) egal. So kommt es, dass in meinem Bücherregal Stephen King neben Hermann Hesse steht, Douglas Adams auf Henning Mankell trifft und Andreas Franz an Astrid Lindgren lehnt. Weiterlesen

Was wäre wenn … Sie neue Perspektiven brauchen?

Der Schwung des Beginns

Viele Autor*innen haben eine Idee, beginnen zu schreiben, sie schreiben weiter – und auf Seite 20, 35 oder gar 86 bleiben sie stecken. Der Schwung des Beginns ist futsch, nichts scheint mehr zu passen oder weiter zu führen. So viel Zeit haben Sie auf den Beginn verwendet, so schöne Momente hat das Schreiben Ihnen beschert, und doch … Sie stecken fest.

Zeit also, andere Perspektiven einzunehmen und neue Fragen zu stellen. Oder vielmehr eine bestimmte Frage:

Was wäre, wenn …?

Nehmen wir das Bild des Feststeckens:  Ihre Protagonisten sind mit dem Auto in den Schlamm gefahren oder stecken mit dem Karren im Wüstensand fest. Was tun sie? Sie suchen nach Hilfe. Vielleicht gibt es ja andere Autos, die mit starken Männern und Seilen vorbeikommen und sie rausholen aus dem Loch. Problem gelöst. Aber die Geschichte steckt schon wieder im Sand. Weiterlesen

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