Von Pastelltot zu „Kalte Rache“ – Abenteuer beim Krimischreiben

von Brigitte Krächan

Brigitte Krächan berichtet über die Entstehung ihres Krimis „Kalte Rache“

Das Foto einer toten Fliege

Dieses Foto einer toten Fliege … und der Bildtitel „Pastelltot“ haben zur Idee eines Krimis geführt, der jetzt bei dotbooks erschienen ist.

Bis vor zwei Jahren wäre ich nie auf die Idee gekommen, Krimis zu schreiben.

Meine Schwester hatte das Foto bei Photocase eingestellt und einige Freunde meinten, der Titel wäre perfekt für eine Kurzgeschichte. Ich mag es, wenn jemand meiner Inspiration Beine macht. Die besten Texte schreibe ich, wenn mir ein Bild oder ein Thema vorgelegt wird, und es heißt: „Schreib mal etwas darüber!“ So werde ich gezwungen, meine Komfort-Schreibzone zu verlassen und mich an Neues heranzuwagen.

Hamburg ist die ideale Stadt für ein pastelltotes Verbrechen

Es war bald klar, dass „Pastelltot“ das Format „Kurzgeschichte“ sprengen würde. Ich weiß nicht, mit was man im Normalfall beim Krimischreiben beginnt. Ich hatte zunächst den Mord: ‚Pastelltot‘ sollte der sein.  Als nächstes stand der Ort des Geschehens fest: Hamburg. Ich war kurz zuvor aus einem Kurzurlaub in dieser wunderbaren Stadt zurück gekommen. Hamburg ist die ideale Stadt für ein pastelltotes Verbrechen.

Den Protagonisten Zeit lassen

Opfer, Motiv und Täter waren schnell gefunden und die Personenentwicklung ging zügig voran. Aus den Kursen beim Schreibwerk wusste ich, dass ich meinen Protagonisten Zeit lassen musste, sich zu entwickeln. Es ist spannend, wie selbständig gut entwickelte Protagonisten werden. Ich bringe sie in eine bestimmte Situation und sie verblüffen mich immer wieder, auf welche Ideen sie dann kommen. Während der Gartenarbeit und beim Spaziergang habe ich sie alle zu Wort kommen lassen. Sie erzählten aus ihrer Vergangenheit, was sie gegenwärtig tun, von ihren Plänen für die Zukunft. Über die Geschichten, die mir mein Mörder über den Mord und das Motiv erzählte, hätte ich ein zweites Buch schreiben können.

Alle Protagonisten haben sich prächtig entwickelt

Alle Protagonisten haben sich prächtig entwickelt bis auf Ulli. Dabei war sie als Hauptkommissarin die Person, die die Story vorantreiben sollte. Ulli hatte die Tiefe und die Ausstrahlung eines Strichmännchens. Ich hatte damals gerade einen Kurs bei Schreibwerk belegt und wandte mich an Hanne, der schon bei der ersten Leseprobe auffiel, dass ich Ulli nicht leiden mochte. Gemeinsam haben wir dann der Hauptkommissarin Ulrike von Schmalenbeck Leben eingehaucht. Ich habe Szenen aus ihrer Vergangenheit in den Krimi eingearbeitet und einige Szenen zunächst aus der Sicht von Ulli und dann aus der Sicht ihres Gegenübers geschrieben, damit ich mir ein besseres Bild über die Kommissarin machen konnte. Das war richtig viel Arbeit und ich konnte nur einen Teil des Geschriebenen nachher verwenden, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Ein Who-Done-It-Krimi hat klare Vorgaben

Das eigentliche Plotten war weniger schwierig. Ein Who-Done-It Krimi hat klare Vorgaben: Es geschieht ein Mord, die Kommissare untersuchen den Mord, befragen die Verdächtigen und finden schließlich den Mörder.

Eine echte Herausforderung war, meinen Kommissaren einen Weg aufzuzeigen, wie sie den perfekten Mord, den ich zuvor geplant hatte, lösen konnten. Ich glaube, die größte Sorge, die man beim Schreiben eines Krimis hat, ist die, dass der Leser schon zu früh herausfindet, wer der Mörder ist. Und eine große Gefahr ist, dass man aus dieser Sorge heraus den Mörder zu spät in den Krimi einführt. Ich fände es dem Leser gegenüber unfair, den Mörder erst auf den letzten Seiten des Krimis zu erwähnen. Ich bin selbst ein begeisterter Krimileser und ich möchte eine faire Chance haben mit zu rätseln.

Die Nummern kamen in ein großes Einmachglas

Beim eigentlichen Schreiben habe ich mir den Plot dann in einzelne Szenen aufgeteilt. Natürlich änderten sich Plot und Szenen während des Schreibens immer wieder. Die Szenenaufteilung war auch beim Überarbeiten des fertigen Krimis von Vorteil. Ich laufe beim Überarbeiten Gefahr, dass ich meine Lieblingsszenen tot überarbeite und die anderen vernachlässige. Ich habe die Szenen durchnummeriert. Die Nummern kamen in ein großes Einmachglas und jeden Morgen zog ich eine Nummer. So habe ich jeden Tag immer nur eine (zufällige) Szene überarbeitet.

Nachdem ich das fertige Manuskript an einigen Probelesern ausprobiert hatte: War es spannend? Wann wusstet ihr, wer der Mörder war? War die Überführung des Täters logisch? habe ich es mit dem Exposé einer Agentur geschickt.

Und jetzt ist der Krimi unter dem Titel „Kalte Rache“ als e-Book erschienen. Ich hätte ihn gerne „Pastelltot“ genannt, aber ich vertraue darauf, dass der Verlag weiß, was er tut.

Und so viel sei verraten: In dem Krimi erscheint nicht eine einzige tote Fliege.

 

 

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